Wirtschaft : Ackermanns Berlin-Ideen stoßen auf Zuspruch

Alle wünschen sich eine „Hauptstadt der Holdings“

Berlin – Josef Ackermann ist mit seinen Vorschlägen für Berlin auf Zustimmung gestoßen. Der Deutsche-Bank-Chef hatte in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) gefordert, sich ein Beispiel am US-Bundesstaat Delaware zu nehmen und ein Vorzeigestandort für die Zentralen europäischer Konzerne zu werden. Ackermann schlug vor, Holdings bis zu einer bestimmten Größenordnung von der Mitbestimmung auszunehmen und ihre Steuerlast deutlich zu senken.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) teilt die Einschätzung Ackermanns, „dass Berlin hervorragende Standort- und Lebensbedingungen habe. „Dies trifft absolut zu“, sagte Wolf dem Tagesspiegel. „Und genau diese sind es, die maßgeblichen Anteil an der Entscheidung vieler Unternehmen – zunehmend auch von Unternehmens-Headquartern mit Entscheidungskompetenz – für eine Ansiedlung am Wirtschaftstandort Berlin haben.“

Ein Beispiel sei der geplante Umzug der Deutschland-Zentrale des US-Pharmakonzerns Pfizer nach Berlin, sagte Wolf. Ausschlaggebend sei das Zusammenspiel eines exzellenten Forschungsumfelds, einer entwickelten Kliniklandschaft sowie am Standort bereits tätiger Unternehmen wie Bayer Schering, Berlin-Chemie und Sanofi-Aventis gewesen. Vergleichbare Positivmeldungen gebe es auch aus den anderen Kompetenzfeldern Berlins. An diese Erfolge wolle Berlin anknüpfen, „indem wir weiterhin sehr gute Standortbedingungen bieten“.

Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG, nannte es „klasse“, dass Ackermann diese Diskussion angeregt hat. „Wenn realistisch und zeitnah eine größere Ansiedlungswelle in Berlin erfolgen soll, dann funktioniert das nur über Ideen, wie sie Herr Ackermann vorgeschlagen hat.“ Auch Martin Lindner, FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, begrüßte den Vorstoß. Berlin habe durchaus Chancen, eine „Hauptstadt der Holdings“ zu werden. „Die brauchen ja vor allem repräsentative Immobilien, und die haben wir“, sagte Lindner dem Tagesspiegel. Auch für Stiftungen müsse Berlin attraktiver werden. „Holdings und Stiftungen schaffen zwar nicht eine Unmenge an Arbeitsplätzen, aber sie sorgen für einen stetigen Steuerfluss.“ Ein Hindernis sei aber „die überbordende Bürokratie“ in Berlin.

Das Beispiel Delaware, auf das Ackermann verwiesen hat, genießt in der Wirtschaft einen guten Ruf. „Angesichts der niedrigen Steuern in diesem Bundesstaat und einer reibungslos funktionierenden Verwaltung ist sogar von einem Unternehmerparadies die Rede“, schreibt die Bundesagentur für Außenwirtschaft in einer Analyse. Der kleine Bundesstaat an der Ostküste erleichtert die Gründung von Unternehmen durch geringe Vorgaben und hat zahlreiche Großkonzerne angezogen. So hat Coca-Cola zwar seine Zentrale in Atlanta in Georgia, aber firmiert aktienrechtlich in Delaware. Bildungsniveau und Infrastruktur gelten dort allerdings als unterdurchschnittlich. dr/mod

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