Wirtschaft : ADAC: "Assekuranz-Flotte" bringt "Gelbe Engel" hart in Bedrängnis

Thomas Magenheim-Hörmann

Der Präsident des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC), Peter Meyer, gibt sich angesichts der schärfer werdenden Konkurrenz durch die Versicherungswirtschaft gelassen. "Davor habe ich kaum Angst", sagt der 51-Jährige. Dabei hätte er allen Grund zur Sorge: Wenn die Kfz-Schutzbriefe, die Versicherer seit knapp zwei Jahren sehr günstig anbieten, erst einmal flächendeckend in Anspruch genommen werden, müsste wohl auch der ADAC die Preise dafür massiv erhöhen. Dabei sind gerade die Schutzbriefe für den ADAC ein Schlüsselprodukt. Angeblich treten über 90 Prozent aller Autofahrer dem Club wegen der damit verbundenen Pannenhilfe bei.

Aber diese Policen sind nicht die einzige Gelegenheit, bei der die Versicherungswirtschaft dem ADAC zuletzt an den Karren gefahren ist. Sowohl im Ringen um Rasthäuser und Tankstellen als auch bei der Privatisierung von Notrufsäulen an Bundesautobahnen ist der Club von Versicherern ausgebremst worden. Mit einer silbernen "Assekuranz-Flotte" als Konkurrenz zu den gelben "ADAC-Engeln" wird gerade der nächste Schlag vorbereitet.

Meyers Optimismus klingt daher aufgesetzt, zumal der Spediteur bei seiner Wahl zum neuen ADAC-Präsidenten Mitte Mai in Mainz noch andere Töne angeschlagen hatte. "Wir stehen an einem Scheideweg", hatte er die Delegierten gewarnt. Versicherer und Autohersteller würden zu einer immer vehementeren und erfolgreicheren Konkurrenz erwachsen. Deshalb sei es für den fast hundertjährigen Verein "angesagt, manchen alten Zopf abzuschneiden und neue Wege zu gehen". Sechs Wochen später will Meyer davon nichts mehr wissen. "Damals war Wahlkampf," sagt er heute.

Auch sein unterlegener Gegenkandidat Rolf-Peter Rocke hatte gewarnt, der ADAC stehe vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Im Mitgliederbestand sei praktisch Nullwachstum erreicht. Im Kerngeschäft Pannenhilfe attackierten Versicherer und Autobauer.

Meyer nimmt es gelassen. Zwar würde der Zuwachs im Verein mit zuletzt noch gut einem Prozent auf knapp 14,4 Millionen Mitglieder immer geringer. Bis 2007 rechne der ADAC aber mit weiterem Wachstum. Meyer glaubt auch nicht, dass die ADAC-Beitragseinnahmen mittelfristig komplett durch die Pannenhilfe aufgezehrt werden. Heute schlucken die darauf entfallenden Kosten etwa die Hälfte der Beiträge. Um ein Ansteigen dieser Quote zu verhindern, plant der Club neue Produkte vor allem in den Bereichen Versicherungen und Reisen. So werde der ADAC ab 2002 eine neuartige Unfallversicherung anbieten und im Touristikgeschäft mit dem Partner Dertour auf Wachstumskurs gehen.

Der ADAC müsse seine wirtschaftlichen Aktivitäten ausweiten, wenn er nicht ins Abseits schlittern wolle, sagt Meyer - selbst dann, wenn das Steuervorteile kosten sollte. Die haben die Münchner mittlerweile auf 50 bis 60 Millionen Mark beziffert. Das ist bei 939 Millionen Mark Beitragseinnahmen und einem im Verein erzielten Gewinn von 84 Millionen Mark nicht wenig. Diesen Vorteil will Meyer möglichst erhalten. "Der vermeintliche Spagat zwischen der ADAC-Clubwelt und der ADAC-Wirtschaftswelt wird uns gelingen", sagt er.

Der Umsatz der ADAC-Wirtschaftstöchter übertraf mit fast 1,5 Milliarden Mark im Jahr 2000 die Einnahmen des Vereins um gut die Hälfte. Beim Gewinn sind die Relationen noch deutlicher: Den 84 Millionen Mark Vereinsgewinn standen im Jahr 2000 knapp 200 Millionen Mark Jahresüberschuss der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH gegenüber. Das Anlagevermögen des Vereins und seiner 18 Regionalclubs beträgt 2,8 Milliarden Mark. Darum und wegen der Wachstumsstrategie der Wirtschaftstöchter dürfte es Meyer immer schwerer fallen, den Club nicht als verkapptes Wirtschaftsunternehmen erscheinen zu lassen.

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