ADAC : Es gibt Alternativen zum Club-Angebot

Der ADAC schien ein Monopol auf alles zu haben – doch Verbrauchern bieten sich zahlreiche Alternativen. Vor allem bei Finanzprodukten sollte man genauer hinschauen.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Der ADAC bietet eine unüberschaubare Fülle von Dienstleistungen und Produkten an. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich mancher Vorteil für Mitglieder als gewöhnliches Angebot.
Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Der ADAC bietet eine unüberschaubare Fülle von Dienstleistungen und Produkten an. Bei...Foto: Andreas Klaer

Nach dem Rücktritt von ADAC- Präsident Peter Meyer macht die Politik weiter Druck auf die verbliebene Führungsmannschaft des Autoclubs. In Berlin wurden Forderungen nach weiteren personellen Konsequenzen beim Autoclub laut – in der Geschäftsführung und im Präsidium. Hinter den Forderungen nach einem radikalen Umbau des ADAC steht – zwischen den Zeilen oder offen formuliert – die Frage: Wird der ADAC überhaupt noch gebraucht? Oder gibt es für Autofahrer und Verbraucher nicht längst Alternativen?

Pannenhilfe

Die Dienste der „Gelben Engel“ sind einer der wichtigsten Gründe, warum Autofahrer in den ADAC eintreten. Die fast 1700 „rollenden Werkstätten“ und weitere 5000 Einsatzwagen von 1000 beauftragten Straßendienstfirmen geben vielen das gute Gefühl, im Fall einer Autopanne beim größten deutschen Autoclub schnelle Hilfe zu bekommen.

Doch auch die Wettbewerber bieten umfangreiche Pannenhilfe an – der Auto Club Europa (ACE), der Automobilclub von Deutschland (AvD), der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Verein "Mobil in Deutschland", der Automobilclub Kraftfahrer-Schutz (KS), der Automobil-Club Verkehr (ACV) oder der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD). Außerdem leisten Schutzbriefe der Kfz-Versicherungen oder die (befristete) Mobilitätsgarantie der Autohersteller ebenfalls Hilfe im Notfall. Im Fall der Schutzbriefe kostet dies einen kleinen Aufpreis. Zwischen sechs und zwölf Euro sind es zum Beispiel für einen Schutzbrief des größten Kfz-Versicherers Huk.

Zum Vergleich: Die einfache ADAC- Mitgliedschaft (49 Euro pro Jahr) bietet nur Pannenhilfe in Deutschland, 89 Euro sind fällig, wenn dies auch im übrigen Europa und weltweit gelten soll. Soll die ganze Familie einbezogen werden, kostet dies bis zu 134 Euro. Schutzbriefinhaber können im Pannenfall einfach die zentrale Notrufnummer 0800 NOTFON D (0800 – 6683663) der Versicherungswirtschaft anrufen. Ein örtlicher Pannendienst wird dann zum Ort des Geschehens geschickt. Die Versicherungsunternehmen arbeiten meist mit Assistance Partner zusammen, einem 2001 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen verschiedener Pannendienste.

Wer ADAC-Mitglied ist, einen Kfz- Schutzbrief sowie eine Mobilitätsgarantie des Herstellers abgeschlossen hat, ist also dreifach abgesichert.

Versicherung und Finanzen

Der ADAC ist ein Finanzdienstleistungskonzern mit einem riesigen Angebot: Kreditkarten, Sparkonten, Bausparverträge, Rechtsschutz- und Krankenversicherung, Handytarife, Autokredite und und und. Verbraucher, die mehr wollen als einen Pannenhelfer, sind gut beraten, bei den Zusatzangeboten des Clubs genauer hinzuschauen. Wie bei anderen Clubs auch, werden Kombiprodukte für Mitglieder angeboten, die bei näherer Betrachtung wenig attraktiv sind. Ein Beispiel: Beim „Traum-Sparen“ bietet der Club (in Kooperation mit der DAB Bank) bis zu 2,2 Prozent Zinsen auf die Einlagen – allerdings nur, wenn das Geld mindestens 17 Jahre lang angelegt wird. Wer sich bei den Banken umschaut, bekommt so viel auch für Festgeld mit dreijähriger Bindung.

Oder Kreditkarten: Drei in Kooperation mit der Landesbank Berlin aufgelegte verschiedene ADAC-Kreditkarten bieten eine Fülle von Zusatzleistungen wie Versicherungen und Rabatte. Wer die entsprechende Silber- oder Gold-Variante wählt, verliert schnell den Überblick und muss zudem im zweiten Jahr auch besonders tief bei den Jahresgebühren in die Tasche greifen. So kostet die ADAC-Kreditkarte „Gold“ stolze 84 Euro.

Reisen

Bahn-, Bus-, Schiffs- oder Flugreisen – beim ADAC ist alles zu haben. Eine unübersehbare Auswahl an Angeboten – häufig als „exklusiv für ADAC-Mitglieder“ beworben – vermittelt den Eindruck, der ADAC sei ein großes Reisebüro. Doch auch hier gilt: Service und Preis sollten gut mit den Wettbewerbern verglichen werden. Zum Beispiel bei Urlaubsmietwagen: Hier wirft die ADAC-Suchmaschine nur die Angebote der namhaften, und meist teuren Club-Kooperationspartner aus.

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