Wirtschaft : ADAC-Studie: Mercedes-Image in Gefahr

Beste Noten für BMW /Japanische Marken haben in der Gunst deutscher Kunden stark aufgeholt

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Berlin (alf). Das Image des Autoherstellers Mercedes sinkt. Ausfälle der Elektronik, enttäuschte Kunden und schlechte Werkstattergebnisse belasten nach einer neuen Studie des ADAC die Marke MercedesBenz. „Der frühere ,gute Stern auf allen Straßen’ ist in Gefahr“, heißt es darin. Bei der Kundenzufriedenheit steht Mercedes sogar auf dem zweitletzten Platz, nur die Ford-Tochter Landrover bekommt eine schlechtere Note.

Mercedes reagiert gelassen. „Unsere Kunden sind zufrieden“, sagte eine Sprecherin von Daimler-Chrysler auf Anfrage und wies darauf hin, dass die Bewertung aller Automarken sehr eng beieinander liege. Der so genannte ADAC-Automarxx ist ein Markenindex, der die Beliebtheit der 33 wichtigsten im deutschen Markt vertretenen Automarken misst. Den Index erstellt alle drei Monate das Center Automotive Research der Fachhochschule Gelsenkirchen im Auftrag des Automobilclubs ADAC. Nach Angaben der Daimler-Chrysler-Sprecherin hat Mercedes bei bislang insgesamt sieben Studien fünf Mal den ersten Platz belegt, BMW zwei Mal. Und da im aktuellen Index beide Marken nur um zwei Hundertstel auseinander liegen, sei die Niederlage zu verkraften.

Gravierend ist dagegen das überaus schlechte Abschneiden von Mercedes bei der Kundenzufriedenheit, die mit einer Gewichtung von zehn Prozent in den Automarxx eingeht. Am zufriedendsten sind die Fahrer eines Toyotas, denn sie geben ihrer Marke die Gesamtnote 1,18. Mercedes liegt mit 2,14 hinter VW (2,09) und vor Landrover (2,32) auf dem vorletzten Platz. Von knapp 3500 befragten Mercedes-Fahrern bewertete fast ein Viertel die Zufriedenheit mit dem Auto nur mit den Noten drei oder vier. Sieben Prozent der Benz-Fahrer vergaben sogar ein mangelhaft.

An der Erhebung der Kundenzufriedenheit beteiligten sich gut 38000 Autofahrer. Dabei kam heraus, dass die japanischen Modelle offenbar unschlagbar sind: Sie nahmen die ersten sieben Plätze in der Kundenzufriedenheit ein. Nach Toyota folgt die vergleichsweise wenig verbreitete Marke Subaru vor Honda und Mazda. Auffällig ist dabei vor allem der gute Service der Japaner. „Kein europäischer Hersteller kommt in der Werkstatt-Zufriedenheit unter die ersten zehn Plätze“, heißt es in der Studie. Vor allem die Massenhersteller VW, Opel und Ford schneiden schlecht ab. „Die deutschen Marken werden von den Importeuren in Punkto Kundenzufriedenheit regelrecht aufgerieben“, heißt es in der ADAC-Studie. Das bestätigt auch der jüngste Qualitätsreport der Zeitschrift „Auto Bild“, in dem Toyota, Mazda, Mitsubishi und Nissan die ersten vier Plätze belegen und VW nur auf dem zweitletzten Platz vor Fiat landet.

Der Erfolg der Japaner findet sich auch wieder in der Gesamtwertung. Mit Toyota ist es erstmals einem ausländischen Autohersteller gelungen, unter die ersten Fünf zu kommen. Dank bester Kundenzufriedenheit, Bestwerten in den Kategorien Technik- und Marken-Trends und hervorragender Unternehmensgewinne verdrängte Toyota die Konkurrenz aus Wolfsburg auf den sechsten Platz. Die deutschen Ingenieure hätten mit dem japanischen Unternehmen einen „äußerst ernsthaften“ Wettbewerber erhalten. Toyota sei in die Domäne der deutschen Automarken – die Technik – erfolgreich eingedrungen“, heißt es in der Studie. Schwachpunkt von Toyota sei noch das Image und der geringe Marktanteil.

Die Ablösung von Mercedes durch BMW an der Spitze des Automarxx wird unter anderem mit dem Erfolg des neuen 5er, der hohen Kundenloyalität der BMW-Fahrer und dem serienmäßigen Rußfilter bei einigen Diesel-Modellen erklärt. Auch die „weitgehende Einstellung neuer Mitarbeiter sowie Azubi-Übernahmen“ hätten dem Markenimage von BMW gut getan. „Die gute Performance von BMW gibt der Marke hervorragende Chancen, beim Aufschwung im deutschen Automarkt im Jahr 2004 einer der großen Gewinner zu werden.“

Dagegen müssen sich Ford und Chrysler Sorgen machen. Ford sackte vom neunten auf den 18. Platz. Grund: schlapper Absatz, kaum Gewinn und schlechte Noten für das Image. Chrysler kommt in der Pannenstatistik mit 60 Pannen pro 1000 Fahrzeug auf das schlechteste Ergebnis. Deshalb befürchtet Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen auch, „dass Chrysler im wichtigen Markt Deutschland in den nächsten Jahren kaum große Sprünge nach vorne machen wird“.

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