Wirtschaft : Adidas greift Nike mit „intelligentem Schuh“ an

Mikrochip in der Sohle reguliert die Dämpfung individuell

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Berlin (msh). Der Sportartikelkonzern Adidas will noch in diesem Jahr den ersten „intelligenten Schuh“ auf den Markt bringen. Ein in den Laufschuh integrierter Computer werde die Dämpfung regulieren und dabei den Untergrund, die Geschwindigkeit und das Gewicht des Läufers berücksichtigen, teilte das Unternehmen mit. Der Adidas „1“ kommt im Dezember in den Handel und wird 250 Euro kosten. „Der neue Schuh wird den gesamten Sportartikelmarkt revolutionieren“, hofft Erich Stamminger, MarketingChef von Adidas.

Der vermeintliche Super-Schuh wurde nach Angaben von Adidas in den vergangenen drei Jahren in einem Geheimprojekt entwickelt. Die Idee: Jeder Läufer benötigt je nach Statur, Laufstil und Untergrund eine unterschiedlich starke Dämpfung. Die Daten ermittelt ein in der Schuhsohle eingebauter Mikrochip. „Über eine Schraube wird dann die Dämpfung automatisch der jeweiligen Laufsituation angepasst“, erläutert Adidas-Sprecher Matthias Nierle.

Mit dem neuen Schuh wolle der Konzern „technisch interessierte Läufer“ ansprechen. Da der Schuh etwas schwerer als ein normaler Laufschuh ist, komme er zunächst weniger für den Einsatz bei Wettkämpfen in Betracht. „Geplant ist, die Technik bald auch in Schuhen für andere Sportarten wie Fußball oder Basketball einzusetzen.“, sagte Nierle. Konkrete Pläne für den Absatz des Produktes nannte das Unternehmen nicht.

Mit der Neuentwicklung will Adidas auf dem Markt für Sportschuhe wieder Boden gut machen. Zuletzt hatte der hinter Nike zweitgrößte Sportartikelkonzern der Welt in dieser Sparte Absatzprobleme, besonders auf dem wichtigen US-Markt. Dort ist der gesamte Markt für Sportschuhe rückläufig, worauf Nike mit der Einführung preisgünstiger Modelle für den Freizeiteinsatz reagierte. Adidas verzeichnete daraufhin – auch wegen des schwachen Dollars – heftige Umsatzeinbußen. Erst im Winter reagierte Adidas-Chef Herbert Hainer und führte zusätzliche Modelle auf dem US-Markt ein. Zu kämpfen hat Adidas mit der Konkurrenz von Puma, die dem Konzern mit seinen sehr modischen Produkten viele Kunden abjagen.

Branchenexperten räumen Adidas trotz des mit 250 Euro sehr hohen Preises gute Chancen ein, mit dem Adidas „1“ erfolgreich zu sein. „Sportlich ambitionierte Läufer sind durchaus bereit, viel Geld für ein neues Dämpfungssystem zu zahlen“, sagt Uwe Weinreich, Experte für die Sportartikelbranche bei der Hypo-Vereinsbank. Schon jetzt kosteten die Topmodelle der Konkurrenten Asics oder Nike mehr als 150 Euro. „Allerdings muss der Komfort des Schuhs im Vergleich zu anderen Modellen wirklich besser sein, um den hohen Preis zu rechtfertigen.“

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