Adidas : Sportartikler verspielt Vertrauen der Börse

Berlin/München - Ist an der Börse von Vertrauensverlust die Rede, haben Unternehmen ein ernstes Problem. Adidas provozierte am Freitag mit einer unerwarteten Gewinnwarnung den Aktienmarkt – der den Sportartikelhersteller umgehend mit Kursverlusten von bis zu sechs Prozent bestrafte. „Die Gewinnwarnung dürfte einiges an Vertrauen zerstören, weil das Unternehmen mit dem Quartalsbericht einige Befürchtungen heruntergespielt hat“, sagte ein Händler. Zahlreiche Analysten senkten ihre Kursziele für die Adidas-Aktie und zeigten sich überrascht vom „Ausmaß der Schwäche“, wie es Chiara Battistini von der US-Bank JPMorgan formulierte.

Beim lange Zeit erfolgsverwöhnten Sportartikelhersteller türmen sich die Probleme. Schon seit Monaten lassen sich Erlöse auf fast allen Kontinenten wegen schwacher Währungen nicht im erhofften Maß in Euro ummünzen, die Wirtschaftskrise in Südeuropa belastet das Geschäft, die Golf-Saison lief schlecht. Dass Adidas nun der Start eines neuen Vertriebszentrums nahe Moskau missriet, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Vorstandschef Herbert Hainer kassierte das Gewinnziel für das laufende Jahr und schraubte die Umsatzerwartungen abermals zurück. Russland ist für Adidas der drittgrößte Markt nach den USA und China.

Hainer hatte vor sechs Wochen die Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr gesenkt, aber die Gewinnprognose von 890 bis 920 Millionen Euro ausdrücklich bekräftigt. Nun die Kehrtwende: Hainer traut dem Konzern nur noch einen Gewinnanstieg auf 820 bis 850 Millionen Euro zu. Und der Umsatz dürfte selbst bei Herausrechnung der Währungseffekte kaum noch steigen – bisher hatte Hainer einen Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich für möglich gehalten.

In Russland, Japan, Brasilien, Argentinien und anderen wichtigen Märkten macht Adidas die Abwertung der Währungen gegenüber dem Euro seit Monaten zu schaffen. Der Lokalrivale Puma, der viel stärker als Adidas mit hausgemachten Sortimentsproblemen kämpft, klagt ebenfalls über den schwachen Yen und hat deshalb Preiserhöhungen in Japan angekündigt. Mit Spannung blickt die Branche auf den Weltmarktführer Nike, der in der kommenden Woche seine Quartalszahlen vorlegt. Die Analysten der Deutschen Bank sehen Adidas als europäischen Konzern in der Wechselkursfalle: „Eigentlich sind alle Währungen im dritten Quartal gegen Adidas gelaufen und die Situation wird sich bis zum vierten Quartal nicht verbessern.“

Adidas-Chef Hainer zeigte sich zuversichtlich, die Anlaufprobleme in Russland, wo Adidas zuletzt sieben Prozent seiner Erlöse erwirtschaftete, zu Beginn des vierten Quartals zu lösen. Was die mittelfristige Geschäftsentwicklung angeht, zeigte sich Hainer ebenfalls optimistisch. Vom Jahresende an erwartet der Dax-Konzern einen Schub durch die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien. mot/rtr

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