Wirtschaft : Adtranz: Eine traurige Adtranz-Geschichte

Alfons Frese

Mit Fusionen ist das so eine Sache. Niemand erfährt das gegenwärtig so brutal wie Jürgen Schrempp, dessen "Hochzeit im Himmel" nach nur zwei Jahren in einer derartigen Beziehungskrise steckt, dass man sich ernsthaft Sorgen um den Partner Chrysler machen muss. Immerhin - für den ehemaligen Manager des Jahres mag das ein kleiner Trost sein - ist der Verlustbringer Adtranz nicht mehr Konzernbestandteil. Ausgerechnet jetzt, wo ein erster Transrapid-Auftrag unmittelbar bevorsteht, steigt Adtranz aus der Magnetbahn aus. Der dreistellige Millionenbetrag, den Adtranz in die Transrapid-Entwicklung gesteckt hat, dürfte kaum komplett von den bisherigen Partnern Siemens und ThyssenKrupp erstattet werden.

Mit dem Ausstieg aus der einst gefeierten Zukunftstechnologie Transrapid schreibt Adtranz ein weiteres Kapitel in der traurigen Firmengeschichte, die im übrigen auch die Geschichte einer missglückten Fusion ist. Edzard Reuter hatte vor fünf Jahren die AEG Bahnsysteme mit der ABB Transportation zu Adtranz zusammengeführt, Jahre später kaufte Reuter-Nachfolger Schrempp der ABB deren Adtranz-Anteil ab, um das Unternehmen im Alleingang sanieren zu können. In diesem Jahr wurde schließlich der Adtranz-Verkauf an die kanadische Bombardier beschlossen. Damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Was aus den Bombardier/Adtranz-Werken in Hennigsdorf, Görlitz und Ammendorf wird, ist offen.

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