Wirtschaft : Adtranz: Verkauf an Bombardier perfekt

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Der Verkauf der Schienenfahrzeugtochter des Daimler-Chrysler-Konzerns, Adtranz, an die kanadische Bombardier-Gruppe scheint perfekt. Für den heutigen Freitag wurde der Aufsichtsrat von Adtranz zu einer außerordentlichen Sitzung nach Stuttgart einberufen. Dass es dabei nicht nur um die zwischenzeitlich besprochene Kooperation, sondern um einen Verkauf gehen wird, gilt nach Informationen des Tagesspiegels als sicher. "Alles andere wäre nach den jüngsten Äußerungen des Vorstandes eine Überraschung", verlautete aus Unternehmenskreisen. Durch den Zusammenschluss würde der größte Schienenfahrzeughersteller der Welt mit einem Umsatzvolumen von rund zwölf Milliarden Mark und 40 000 Beschäftigten entstehen.

Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp hatte erst Mitte vergangener Woche bestätigt, dass "intensive Gespräche mit Bombardier" liefen. Von seiten der Aktionäre, vor allem in den USA, war immer wieder gefordert worden, dass Daimler-Chrysler sich von der Sparte, die nicht zum Kerngeschäft des Automobilkonzerns zählt, trennen soll. Adtranz hat in den vergangenen drei Jahren Verluste von knapp zwei Milliarden Mark eingefahren. Nach dem 1999 eingeleiteten Restrukturierungsprogramm, im Rahmen dessen sechs Werke weltweit geschlossen und 3000 der 24 000 Stellen gestrichen werden sollen, wird das Unternehmen aber nach Aussage von Adtranz-Chef Rolf Eckrodt in diesem Jahr zumindest "eine schwarze Null" erreichen.

Aber auch Bombardier, zu dem in Deutschland Talbot in Aachen und die Deutsche Waggonbau (DWA) gehören, ist auf der Suche nach einem Partner, nachdem Gespräche mit Siemens scheiterten. Vor allem in den deutschen Werken gibt es Überkapazitäten. Trotz eines Restrukturierungsprogramms, bei dem bis Ende 2000 knapp ein Viertel der damals noch 5000 Arbeitsplätze gestrichen werden, sei die Auslastung durch das Ausbleiben einiger Folgeaufträge der Deutschen Bahn "problematisch", sagte ein Unternehmenssprecher.

Bei den Verhandlungen soll es zuletzt nur noch um den Preis gegangen sein. Daimler-Chrysler will dem Vernehmen nach rund drei Milliarden Mark als Erlös erzielen. Diese Summe hat der Konzern seit der Zusammenlegung der Bahnsparten von AEG und ABB 1995 und der Komplettübernahme 1999 in die Restrukturierung gesteckt. Albrecht Denninghoff, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, hält einen Preis "zwischen einer und drei Milliarden Euro" für gerechtfertigt, sollte Adtranz in diesem Jahr schwarze Zahlen erreichen.

Wegen der Größe des Zusammenschlusses ist allerdings mit Auflagen der Kartellbehörden zu rechnen. Überschneidungen gibt es vor allem in Deutschland. Im Bundeskartellamt hieß es, man habe noch keine Anmeldung, zuständig sei aber voraussichtlich die EU-Wettbewerbsbehörde in Brüssel.

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