Wirtschaft : Adtranz-Verkauf: Ein teurer Flop für Daimler-Chrysler (Kommentar)

Margarita Chiari

Jürgen Schrempp kann aufatmen. Nach wochenlangem Tauziehen hat der Daimler-Chrysler-Konzernchef die seit Jahren defizitäre Schienenfahrzeugtochter Adtranz nun doch an die kanadische Bombardier-Gruppe verkauft. Die Aktionäre, vor allem jene in den USA, werden zufrieden sein. Sie hatten seit langem gefordert, der Autobauer solle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren: Eben auf Autos. Doch Schrempp hat diesen Verkauf teuer bezahlt. 1,5 Milliarden Mark kommen nun - die Zustimmung der Kartellbehörden vorausgesetzt - in die Kassen von Daimler-Chrysler. Die Rettung des Schienenfahrzeuggeschäfts dürfte den Konzern hingegen seit dem Schulterschluss mit der Bahnsparte von ABB 1996 nach Branchenschätzungen mehr als fünf Milliarden Mark gekostet haben. Ein Flop, der weit über jenen mit Fokker hinausreicht.

Die Krise hat der Konzern zu weiten Teilen selbst verschuldet. Der Versuch, die aus vielen Zukäufen zusammengewürfelte Bahnsparte der AEG durch den Schulterschluss mit jener von ABB zu einem "global Player" auszubauen, ist kläglich gescheitert. Eine einheitliche Firmenkultur ist nie entstanden, bis heute fühlen sich die Mitarbeiter noch immer als "Thyssianer", "AEGler" oder "BBCler". Überfällige Restrukturierungsmaßnahmen wurden viel zu spät in Angriff genommen. Hinzu kamen Pannen mit Neuentwicklungen, wie etwa dem Neigetechnik-Regionalzug VT 611.

Mit Bombardier habe Adtranz bessere Zukunftsaussichten, sagt Schrempp. Damit hat er Recht. Die Kanadier haben seit Jahren bewiesen, dass sie in dieser schwierigen Sparte Gewinne erzielen können. Dass den Mitarbeitern noch schmerzhafte Maßnahmen bevorstehen, ist anzunehmen. Die Aussicht auf eine Muttergesellschaft, die die Bahnsparte ausbauen will, ist aber allemal besser, als ungeliebtes Kind zu sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben