Wirtschaft : Advance-Bank baut Internet-Geschäft aus

MÜNCHEN (tmh).Die Advance Bank AG, Duisburg, soll innerhalb drei Jahren neben ihrem eigenen Geschäft auch alle Direktbankaktivitäten ihres Frankfurter Mutterkonzerns Dresdner Bank AG steuern.Dieser "doppelte Auftrag" erfordere EDV-Investitionen in hoher zweistelliger Millionenhöhe, sagte Advance-Vorstand Michael Stojan zur Bilanzvorlage in München.Ab 2002 sollen sich dann jährliche Synergieeffekte in ähnlicher Dimension einstellen.

Ziel sei es unter anderem, ein gemeinsames Callcenter (Telefon- und Kommunikationszentrale) zu betreiben.Dresdner sowie Advance Bank sollen aber als getrennte Marken erhalten bleiben und mit dem neuen Konzept eine aus der Kfz-Industrie bekannte Plattformstrategie auf den Bankenbereich übertragen, sagte Stojan.Eine verstärkte Kundenwanderung zur mit niedrigen Gebühren werbenden Advance Bank befürchtet er nicht.Das neue Konzept soll schon dieses Jahr in München und Duisburg zum Aufbau von rund 400 Stellen führen.Derzeit arbeiten an beiden Advance-Standorten 700 Mitarbeiter.

Unter dem Druck der neuerlichen Investitionen verschiebt sich das Erreichen der Gewinnschwelle auf "spätestens 2002".Ursprünglich sollte das Institut 1999/2000 profitabel arbeiten.Für die anhaltenden Anlaufverluste haben der Wechsel der Direktbanker von der ehemaligen Bayerische Vereinsbank AG zur Dresdner Anfang 1998 und damit verbundene Kurskorrekturen gesorgt.Die sollen das von München aus operierende Institut zur Vollbank machen und es einer breiten Kundschaft öffnen.Erste Früchte dieses Richtungswechsels brachte das Vorjahr.Die Zahl der Advance-Kunden stieg um gut 60 000 auf 103 000 Anleger, sagte Stojan.Das noch vor wenigen Monaten genannte Ziel von 110 000 Kunden habe man nicht erreicht, weil man bei der Werbung auf die Bremse getreten sei, um selektiv renditestarke Anleger zu gewinnen.Eine Erhöhung der Kundenzahl allein sei nicht zielführend, räumte der Vorstand mit Blick auf die Ertragslage ein.Das Advance-Depotvolumen wuchs 1998 um 120 Prozent auf 1,2 Mrd.DM.Damit stagnierte ein Durchschnittsdepot bei 110 000 DM.

Weiter nach unten ging es dagegen mit den Verlusten.Nach der Verschmelzung mit der Dresdner-Tochter ED Projekt- und Beteiligungs-AG, Duisburg, sind die Defizite der Advance Bank 1998 von 128 auf gut 200 Mill.DM gestiegen.75 Mill.DM davon entfallen auf einmalige Verschmelzungsverluste, erklärte der Vorstand.Andererseits erhielten die Direktbanker von der Dresdner 30 Mill.DM Aufwandsentschädigung für ihre EDV-Umrüstung.Auch im operativen Geschäft wuchs 1998 das Defizit von vergleichbar 107 auf 125 Mill.DM.Grund dafür seien Kosten für Technik inklusive Datenverarbeitung, die Repositionierung der Bank und die Euro-Umstellung.1999 sollen rund 50 000 Neukunden gewonnen und der Verlust auf rund 100 Mill.DM abgebaut werden.

Große Hoffnungen setzt die Bank dabei in das Internet.Mehr als 55 Prozent aller Kunden-Transaktionen werden mittlerweile über dieses Medium abgewickelt."Das übertrifft selbst unsere optimistischen Prognosen," sagte Advance-Vorstand Dirk Drechsler.In den USA laufe heute bereits jeder dritte Wertpapierhandel über das Netz der Netze.Elektronische Geschäfte aller Art sollen von 1998 weltweit 4,8 Mrd.Dollar Umsatz bis 2002 auf 240 Mrd.Dollar explodieren, schätzen Marktforscher.2005 dürfte demnach ein Fünftel aller Kunden hierzulande ihre Finanzgeschäfte über Direktbanken abwickeln.Insofern sieht sich die Advance Bank voll im Trend und als ausgeprägte Internet-Bank mit Unternehmen am Neuen Markt vergleichbar.Internet-Angebote würden weiter ausgebaut.Auch einen Börsengang will der Vorstand nicht ausschließen."Vorstellbar ist alles," sagte Stojan.Aktuell gebe es aber dafür keine konkreten Pläne.

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