Wirtschaft : Advance Bank: Die Tochter der Dresdner Bank baut den direkten Kontakt zum Kunden aus

tmh

Die zur Dresdner Bank zählende Münchner Advance Bank AG will auch nach der Übernahme ihrer Mutter durch die Allianz AG an ihrer strategischen Ausrichtung festhalten. Maßgeblich gehöre dazu das Konzept, eigenen Kunden Finanzprodukte möglichst vieler Anbieter zur Verfügung zu stellen, sagte Vorstandssprecher Martin Blessing zur Bilanzvorlage in München. Dieses Prinzip gelte auch für Versicherungspolicen. Man sei offen für Allianz-Produkte, aber nicht auf exklusiver Basis. Eine engere Zusammenarbeit mit der Allianz hält Blessing ferner im Vertrieb über mobile Berater und stationäre Investmentzentren für möglich. Die bislang nur telefonisch oder per Internet erreichbare Advance Bank will von Mai an ihr Hauptprodukt Wertpapierfonds auch im direkten Kundenkontakt per Berater und Filialen verkaufen. Das erste der Investmentzentren öffnet Mitte Mai in Berlin. Bis Ende 2002 will die Bank in Deutschland ein Netz mit 20 bis 25 Standorten aufbauen. Blessing ist überzeugt, dass der damit erreichten Vertriebskombination von PC, Telefon und persönlichen Kontakten die Zukunft gehört. Reine Onlinebroker würden einer aktuellen Studie zufolge hier zu Lande bis 2005 bei einem Kundenstamm von etwa zwei Millionen Personen stagnieren, während Anbietern mit mehreren Vertriebswegen ein Wachstum von 1,6 auf 4,9 Millionen Kunden bescheinigt werde.

Die Advance Bank selbst sei gegen den allgemeinen Markttrend schon 2000 und im ersten Quartal des laufenden Jahres gewachsen. Nach einer Vervierfachung der Depots im Vorjahr auf 96 000 ist dieses Jahr eine weitere Verdoppelung auf bis zu 200 000 Depots geplant. Die Kundenzahl soll nach einem Plus von 40 Prozent im Vorjahr im laufenden Jahr nochmals in ähnlichem Ausmaß auf 300 000 Personen steigen. Schon im ersten Quartal dieser Periode sei das verwaltete Kundenvermögen trotz des Verfalls der Aktienmärkte um knapp ein Fünftel auf 5,4 Milliarden Mark gewachsen, sagte Blessing.

Er hofft auch weiter, dass die Advance Bank Ende des Jahres die Gewinnzone erreicht. Sein Optimismus habe aber angesichts der desolaten Marktlage etwas abgenommen. Im Vorjahr musste das Online-Institut wegen EDV-Sonderabschreibungen eine Ausweitung ihrer Defizite von 97 Millionen Mark auf 109 Millionen Mark hinnehmen. Dieses Jahr soll das Minus im Jahresüberschuss auf rund 45 Millionen Mark gedrückt werden. Abhängig vom Erreichen der Gewinnschwelle sei 2002 ein Börsengang möglich, sagte Blessing. Den will er aber nicht als Ausstiegsstrategie des neuen Verbunds Allianz-Dresdner Bank aus der Advance Bank verstanden wissen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben