AEG-Streik : Weiterhin starre Fronten

Im Konflikt um die beabsichtigte Schließung des Nürnberger AEG-Werks haben sich die Fronten mit dem Electrolux-Konzern wieder verschärft. Eine Weiterführung der Produktion in Nürnberg sei "ausgeschlossen", so Manager Winkler.

Nürnberg - Im Kampf um das seit elf Tagen bestreikte Nürnberger AEG-Werk bleiben die Fronten zwischen IG Metall und Electrolux-Konzern trotz geplanter neuer Verhandlungen starr. Während die Gewerkschaft den Erhalt der Hausgerätefabrik am Montag erneut zum Hauptziel des Ausstandes erklärte, bekräftigte der schwedische Mutterkonzern, dass es keine Alternative zu der für Ende 2007 geplanten Schließung gebe. Eine Weiterführung der Produktion in Nürnberg «schließe ich völlig aus», sagte der für die europäischen Electrolux-Werke zuständige Manager Horst Winkler in Nürnberg. Unterdessen weitete sich der Streik am Montag auch auf die AEG- Logistik am Standort Dormagen (Nordrhein-Westfalen) aus.

Winkler forderte die IG Metall auf, sich unverzüglich an den Verhandlungstisch zu setzen. Der Konzern werde dann ein «substanzielles, detailliertes Angebot» für die Beschäftigten vorlegen, sagte er, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. «Der Donnerstag ist zu spät», erklärte Winkler mit Blick auf den von der IG Metall genannten nächsten Verhandlungstermin. Er räumte ein, dass die Annäherung «sicher sehr schwierig» sein werde und verteidigte erneut den Schließungsbeschluss: «Dieses Werk hat keine Möglichkeit, in eine langfristige Profitabilität hinein zu kommen.»

Am Sonntag waren Electrolux-Chef Hans Stråberg, Winkler und Europa-Vorstand Johann Bygge auf Vermittlung von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) überraschend in München mit den IG Metall- Vertretern zusammengetroffen. Dabei erklärten sich beide Seiten nach Angaben der bayerischen Staatskanzlei zu neuen Verhandlungen bereit. Die IG Metall stellte danach jedoch unverzüglich klar, dass sie bis zu einem Verhandlungsergebnis am Streik festhalten werde. Hauptziel bleibe es, den Standort Nürnberg zu erhalten, sagte Streikleiter Jürgen Wechsler am Montag.

Dagegen bekräftigte Electrolux-Chef Stråberg, dass man von der geplanten Schließung des Werks mit 1700 Beschäftigten nicht abrücken werde. Bei den Verhandlungen gehe es lediglich «um die Bedingungen für die Verlagerung der Produktion von Wasch- und Spülmaschinen von Nürnberg nach Polen», erklärte er am Montag in Stockholm. Nach Wechslers Angaben hatte Stråberg bei dem Gespräch in München eingeräumt, dass der Konzern wegen des Streiks mittlerweile Probleme am Markt habe und es Lieferengpässe gebe. Man mache sich große Sorgen um die Marke AEG. Stråberg habe weitere Verhandlungen und ein sofortiges Ende des Streiks gefordert. Dagegen habe die IG Metall verlangt, ihr Standortsicherungskonzept zur Grundlage der Verhandlungen zu machen.

Auch Winkler räumte am Montag ein: «Wir alle spüren den Druck.» Die Standpunkte seien noch weit auseinander. Man gehe aber ohne Vorbedingungen in die Gespräche. «Ich hoffe, dass wir schnell zu Ergebnissen kommen.» Dagegen sagte IG Metall-Streikleiter Wechsler, er rechne nicht damit, dass man rasch zu einem Abschluss kommen werde. «Der Arbeitskampf ist erst beendet, wenn unsere Mitglieder ein Verhandlungsergebnis in einer zweiten Urabstimmung bestätigt haben.»

Laut IG Metall kam das Gespräch bei Stoiber auf Druck des Electrolux-Hauptaktionärs, der Wallenberg-Gruppe, zu Stande. Stråberg habe sehr nervös gewirkt, schilderte Wechsler. «Nach meinem Eindruck steht er gewaltig unter Druck.» Er wertete das Gespräch als Erfolg der Streikenden.

Am Montagmorgen traten auch rund 50 Beschäftigte der AEG-Logistik in Dormagen (NRW) in den Ausstand. Sie wollen damit die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie erzwingen. Die AEG- Logistik in Nürnberg streikt seit vergangenem Freitag. (tso/dpa)

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