AEG-Werk Nürnberg : IG Metall-Chef Peters bekräftigt Forderungen

Die IG Metall erwartet nach den ergebnislosen Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag für die 1700 AEG-Beschäftigten ein deutlich verbessertes Angebot von Electrolux.

Nürnberg - Gewerkschaftschef Jürgen Peters bekräftigte am Freitag die Forderung der Gewerkschaft nach Abfindungen in Höhe von drei Monatsgehältern pro Dienstjahr und einer Vorruhestandsregelung für Mitarbeiter über 53 Jahre mit vollem Lohnausgleich. Ein Termin für die Fortsetzung der Gespräche, die am Donnerstagabend nach mehr als vier Stunden abgebrochen wurden, steht noch nicht fest.

Vorrangiges Ziel der Gewerkschaft bleibe es, das Werk zu erhalten. "Wir wollen, dass an diesem Standort weiter produziert wird", rief Peters den Streikenden zu. Der IG-Metall-Chef sprach von "Raubtierkapitalismus". Er forderte eine Abgabe für Unternehmen, die Arbeitsplätze in Deutschland abbauen und ins Ausland verlagern. "Schließlich nehmen die Unternehmen Know-how und Entwicklungen aus Deutschland mit und verkaufen sie an einem billigeren Standort."

Peters forderte die EU-Kommission auf, offen zu legen, welche direkten und indirekten Beihilfen für die Verlagerung der Produktion nach Polen geflossen sind. "Die Menschen hier haben ein Anspruch darauf zu erfahren, ob sie mit ihren Steuergeldern ihre eigenen Arbeitsplätze gefährden", sagte Peters.

Electrolux hatte bei den Verhandlungen am Donnerstag lediglich 0,7 Monatsgehälter pro Dienstjahr angeboten und die Übernahme in eine Beschäftigungsgesellschaft bei vollem Lohnausgleich für maximal zwölf Monate. Nach dem Ende der Gespräche am späten Donnerstagabend hatte AEG-Geschäftsführer Dieter Lange erklärt, das so genannte "Nürnberger Modell" sei ein großzügiges Angebot. Es gebe keinen Anlass, es nachzubessern.

Die maximale Summe des Abfindungsangebots bezifferte die Gewerkschaft auf 75.000 Euro pro Mitarbeiter. Die Tarifkommission der IG Metall lehnte den Electrolux-Vorschlag nach Angaben von Bezirksleiter Werner Neugebauer einstimmig als "völlig unzureichend" ab. Für einen AEG-Mitarbeiter, der seit 20 Jahren im Unternehmen arbeite, bedeute dies nicht einmal 40.000 Euro, die dieser neuerdings auch noch versteuern müsse. Spätestens nach 12 Monaten Arbeitslosengeld - beziehungsweise nach 18 Monaten für Ältere - fielen die Betroffenen unter die Hartz IV-Regelung. Die erhaltene Abfindung werde zudem auf das Arbeitslosengeld II angerechnet, sagte Neugebauer.

"Wir haben uns darauf einzurichten, dass der Streik noch ein, zwei, drei Wochen oder länger dauert", sagte der bayerische IG-Metall-Chef. Symbolisch wurde das Angebot im Streikzelt verbrannt. Eine Fortsetzung der Verhandlungen macht nach Angaben der IG Metall nur dann Sinn, wenn dabei auch über die ausgegliederten Gesellschaften Logistik und Distriparts gesprochen wird und diese weiterhin nach dem Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie bezahlt werden.

Electrolux-Europachef Horst Winkler erklärte dazu, der Konzern werde die Möglichkeit einer Verknüpfung prüfen. Auf das "Ultimatum" der Gewerkschaft, diese Forderung bis zum Freitagnachmittag zu akzeptieren, werde sich Electrolux aber nicht einlassen. "Wir akzeptieren grundsätzlich kein Ultimatum", betonte Winkler. Offensichtlich versuche die IG Metall, ihre Blockadehaltung mit allen Mitteln fortzusetzen.

Aus der Sicht der Gewerkschaften hätten die Verhandlungen in diesem Fall bereits an diesem Samstag fortgesetzt werden können. "Andernfalls werden wir frühestens am nächsten Mittwoch weiter verhandeln", hatte Streikleiter Jürgen Wechsler zuvor erklärt. (tso/dpa)

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