Wirtschaft : Älteste Bank der Schweiz macht dicht

US-Steuerfahnder schließen Wegelin.

Das war’s. Steuerhinterziehung überlebt die 1741 gegründete Bank nicht. Foto: Reuters
Das war’s. Steuerhinterziehung überlebt die 1741 gegründete Bank nicht. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Zürich - Es war ein Ende mit langer Vorankündigung. Dass die einst so renommierte Bank Wegelin — das älteste private Geldhaus der Schweiz – sich unter dem Druck amerikanischer Steuerfahnder selbst auflösen würde, hatte sie schon vor einem Jahr angekündigt. Damals fegte die Nachricht wie eine Schockwelle durch die Finanzzentren in Zürich und Genf: Nachdem in den USA drei ihrer Manager wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt wurden und auch der gesamten Bank ein ruinöses Strafverfahren drohte, entschlossen sich Wegelin-Chef Konrad Hummler und seine Mitgesellschafter in einem Verzweiflungsakt zum Notverkauf.

Für geschätzt 250 Millionen Euro wurde der größte Teil des Geldhauses von der Raiffeisen-Gruppe übernommen. Die führt Wegelins lukratives Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden weiter. Mit einer wichtigen Ausnahme: Das „vergiftete“ Geschäft mit US-Kunden, die Steuern verstecken wollten, wurde ausgegliedert und noch unter dem Namen Wegelin weitergeführt. Geschäftszweck dieser Wegelin-„Bad Bank“ war die eigene Abwicklung bei gleichzeitiger Erleichterung der weiteren Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft gegen potenzielle Steuerbetrüger. Dabei ist mit dem in Banken- und Justizkreisen längst erwarteten Wegelin-Schuldeingeständnis nun der wichtigste Meilenstein in Richtung Abwicklung erreicht worden.

Für die Wegelin-Teilhaber Otto Bruderer und Konrad Hummler war der Flug nach New York zur Teilnahme an der Verhandlung des Bezirksgerichts von Manhattan vermutlich die traurigste Geschäftsreise ihrer Laufbahn. Bruderer gab namens der Bank das Schuldeingeständnis, zwischen 2002 bis 2010 US- Bürgern geholfen zu haben, Steuern vor dem heimischen Fiskus zu verstecken. Und zwar in Kenntnis der Tatsache, dass die Gelder dieser Kunden nicht wie vorgeschrieben bei deren US-Finanzämtern deklariert waren.

Insgesamt geht es um ein Vermögen in Höhe von rund 1,2 Milliarden Dollar. Dafür wird die Bank nun eine Buße von rund 74 Millionen Dollar zahlen. Die Summe setzt sich zusammen aus jeweils grob gerechneten Einzelbeträgen an vermutlich entgangenen Steuereinnahmen, der Rückerstattung illegal gemachter Gewinne sowie einer Geldstrafe. Im Gegenzug stellen die US-Justiz- und Steuerbehörden die Strafverfolgung der Bank ein. „Wegelin wird nach dem Abschluss des US-Verfahrens das Bankgeschäft einstellen“, teilte das Geldhaus nun den Vollzug des vor einem Jahr selbst angekündigten Endes mit. dpa

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