Wirtschaft : Ärger beim Verkauf der LBB

Landesbank Baden-Württemberg soll ihr Gebot auf Druck verringert haben

Bettina Wieselmann

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) soll ihr am 1. Juni abgegebenes, bindendes Angebot für die Landesbank Berlin unter Einfluss des Sparkassenlagers und des Landes Baden-Württemberg kurzfristig gesenkt haben. Dies wurde aus gut informierten Kreisen bekannt. Die LBBW geht jetzt von einer Niederlage im Bieterverfahren um die Landesbank Berlin (LBB) aus. Den Informationen zufolge sollen sich in der LBBW-Trägerversammlung am 31. Mai, also einen Tag vor Ende der Angebotsfrist, auch Vertreter des Landes dafür starkgemacht haben, „dass durch ein nicht mehr so aggressives Angebot stärker Rücksicht auf die Interessen der Sparkassen“ genommen wird. Ein Sprecher der LBBW wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die baden-württembergischen Sparkassen halten zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Sparkassenverband insgesamt 40,5 Prozent an der LBBW, der Rest gehört direkt und indirekt dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart. Die Sparkassen wollen aber über ihre Dachorganisation, den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), selbst zum Zug kommen. Neben dem DSGV und der LBBW ist die Commerzbank als dritter verbliebener Bieter im Rennen um die ehemalige Bankgesellschaft Berlin vertreten.

Als im Frühjahr die überraschende Absicht der LBBW bekannt wurde, sich um den Kauf des 81-Prozent-Anteils des Landes Berlin an der Landesbank Berlin zu bewerben, konnte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski sich noch von Landesseite und den Vertretern der Stadt Stuttgart in der Trägerversammlung unterstützt fühlen. Die LBBW ist einer der größten Steuerzahler in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Offiziell herrscht Stillschweigen über die Höhe der abgegebenen Gebote für die Landesbank Berlin. In der ersten, noch unverbindlichen Bieterrunde im Frühjahr soll die LBB nach Angaben aus Finanzkreisen die mit 4,4 Milliarden Euro höchste Offerte aller Bieter vorgelegt haben. Das verbindliche Angebot aus der vergangenen Woche soll nun aber darunter liegen. Nach der internen Sprachregelung heißt es, dass die Neubewertung der LBB sich aus der detaillierteren Kenntnis der Datenlage ergebe. Hinter vorgehaltener Hand wird aber bestätigt, dass der „Strategiewechsel“ aufseiten des Landes aus Rücksichtnahme auf die Interessen der Sparkassen erfolgt sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die LBBW den Zuschlag für den Kauf der LBB erhält, sei inzwischen deutlich geringer als noch vor Wochen.

Das Land Berlin muss seinen Anteil an der LBB bis Ende des Jahres verkaufen. Das hat die EU-Kommission entschieden, als sie die Milliarden-Beihilfen genehmigte, mit denen das Land die Bank 2001 vor dem Ruin gerettet hatte. Die Auflagen der Kommission sehen ein „offenes, transparentes und diskriminierungsfreies“ Verkaufsverfahren vor. Wenn nun nachgewiesen würde, dass politische Überlegungen und nicht ökonomische Beurteilungen bei der Abgabe des jüngsten LBBW-Angebots eine Rolle gespielt haben, könnte dies das gesamte Verfahren gefährden. Bettina Wieselmann

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