Wirtschaft : Ärger um Ackermanns Fonds-Fiasko

Finanzaufsicht, Bundesbank und Fondsbranche kritisieren Schließung des Immobilienfonds „Grundbesitz“

Henrik Mortsiefer,Rolf Obertreis

Berlin/Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank sorgt mit der Schließung ihres milliardenschweren Immobilienfonds „Grundbesitz-Invest“ für Empörung in der Branche. Auch die Finanzaufsicht und der Branchenverband BVI zeigten sich am Mittwoch überrascht vom Vorgehen der größten deutschen Bank. In Finanzkreisen wurde spekuliert, die Deutsche Bank versuche händeringend, sich von ihrem Immobiliengeschäft zu trennen. Die Aktie rutschte um 1,4 Prozent ans Ende der Dax-Liste.

Die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate hatte nach erheblichen Mittelabflüssen den Fonds am Dienstag geschlossen. Da das Immobilienvermögen neu bewertet werden muss, bleiben Anleger bis auf weiteres auf ihren Anteilen sitzen. Das Bewertungsgutachten unabhängiger Sachverständiger soll frühestens im Februar vorliegen. „Es ist derzeit nicht vorgesehen, den Fonds aufzulösen“, sagte ein DB-Real-Estate-Sprecher am Mittwoch. Allerdings werde der Fonds weiterhin Immobilien verkaufen.

Die Deutsche Bank will ihrer Tochter vorerst nicht unter die Arme greifen. So lange die Neubewertung nicht abgeschlossen sei, sei ein Eingreifen „kein Thema“, sagte ein Sprecher. Wie groß der Wertberichtigungsbedarf des „Grundbesitz“-Fonds ist, blieb offen. Branchenbeobachter spekulieren, dass sich die Deutsche Bank mit einer Unterstützung zurückhalten könnte, weil sonst das Ziel von Bankchef Josef Ackermann von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern in Gefahr sei.

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Deutsche Bank schon vor Wochen auf die Folgen einer Fondsschließung aufmerksam gemacht. „Es wurde auf höchster Ebene auf mögliche Konsequenzen hingewiesen“, sagte eine Sprecherin der Behörde dem Tagesspiegel. Dabei hatte Behördenchef Jochen Sanio offenbar auch mögliche negative Folgen für andere offene Immobilienfonds im Blick. Die Schließung des Grundbesitz-Fonds sei nicht mit der BaFin abgestimmt worden, sagte die Sprecherin. Am Mittwoch stellte Sanio dem Vernehmen nach ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bank ein.

Auch in Kreisen der Bundesbank, der gemeinsam mit der BaFin die Bankenaufsicht in Deutschland obliegt, heißt es, die Deutsche Bank solle sich nach dem Vorbild der Deka-Bank und der Hypo-Vereinsbank an der Sanierung ihres Immobilienfonds beteiligen. Banker anderer Institute berichten, das BaFin-Chef Sanio bei früheren Schieflangen von Fonds die Institute praktisch dazu gezwungen habe, einen Teil der Sanierungslasten zu tragen. „Dass Ackermann sich so offensichtlich gegen die BaFin stellt, sagt viel darüber aus, welches Gewicht er Deutschland zumisst“, kommentierte ein Banker.

Ungewöhnlich scharf kritisierte der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften BVI das Verhalten der Deutschen Bank. „Die DB Real Estate hat ihren Vertriebsmitarbeitern in einem Brief geraten, Kunden zum Verkauf des Fonds zu drängen“, sagte ein BVI-Sprecher. „Damit hat das Unternehmen den Rückzug der Anteilseigner geradezu provoziert.“ Es liege jetzt in den Händen der Finanzaufsicht, die Interessen der betroffenen Anleger zu wahren. Die Branche sei „extrem sauer“. Insgesamt verwalten deutsche Immobilienfonds ein Vermögen von rund 90 Milliarden Euro. Für einen branchenweiten Mittelabfluss gibt es noch keine Anzeichen. Am Mittwoch seien bei den großen Fonds nur Anteile im „normalen Rahmen“ von zwei bis drei Millionen Euro zurückgegeben worden, sagte BVI-Geschäftsführer Stefan Seip. Es gebe keine Panik.

In Frankfurter Finanzkreisen wurde am Mittwoch kolportiert, die Deutsche Bank stehen in Verhandlungen zum Verkauf ihres Immobiliengeschäfts. „Ackermann sucht Verbündete“, hieß es. Angelsächsische Investoren hätten Druck ausgeübt und seien an einem möglichst niedrigen Kaufpreis interessiert. Als möglicher Käufer wurde auch die US-Investmentbank Morgan Stanley genannt.

Auf Basis des Investmentgesetzes dürfte es für betroffene Anleger kaum Wege geben, eine Entschädigung durchzusetzen. „Auch Anteile an Immobilienfonds sind Risikopapiere“, sagte ein Fondsmanager. Zivilrechtlich sieht es möglicherweise besser aus, wie Andreas Tilp, auf Anlegerschutz spezialisierter Anwalt, glaubt. Klagen könnten sich auf rechtswidrige Voraussetzungen für die Rücknahme der Anteile beziehen oder auf fehlerhafte Prospekte für den Verkauf der Fondsanteile. mit HB

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