Wirtschaft : Ärger um Professor Ackermann

Stefan Jacobs

Frankfurt am Main - Höchste Zeit, Josef Ackermann zu ehren, finden die Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Frankfurter Goethe-Universität: Dekan Wolfgang König und sein Vorgänger Reinhard Schmidt bemühen sich um die Berufung des Bankchefs zum Honorarprofessor – ein Titel, bei dem nicht der alltägliche Universitätsbetrieb mit Forschung und Lehre im Mittelpunkt steht, sondern die Ehre des Erwählten und der Ruf der Hochschule. Zwischen fünf und zehn Honorarprofessoren beruft die Frankfurter Uni pro Jahr. Studentenvertreter sind empört, dass Ackermann der nächste sein soll: Ausgerechnet der und ausgerechnet jetzt, heißt es im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (Asta). Eine Entscheidung über die Honorarprofessur zeichnet sich noch gar nicht ab – aber dafür jede Menge Streit.

„Bei uns im Fachbereich ist es schon beschlossen worden“, sagt der Dekan. Seit 2002 lehre Ackermann in einem zweitägigen Blockseminar pro Semester Bankenstrategien. Die Uni müsse ihm 35 Euro pro Doppelstunde zahlen, „obwohl er die gar nicht haben will.“ Lukrativer sei auch die Honorarprofessur nicht – im Gegenteil: „Dann hat er eine Lehrverpflichtung.“ Ackermanns öffentliches Image stelle die Ehrung nicht in Frage: „Wir ehren seine akademische Persönlichkeit.“

Königs Vorgänger Schmidt nennt Ackermann „den akademischen Intellektuellen unter den deutschen Großbankern“. Bedachtsam und kenntnisreich habe er unterrichtet, das Handy ausgeschaltet zu Gunsten maximaler Konzentration. „Wissenschaftlich absolut erste Klasse.“ Während König bestätigt, dass die Studenten über Ackermann geteilter Meinung seien, sagt Schmidt: „Er ist überhaupt nicht umstritten, sondern ein enormer Gewinn für unseren Fachbereich.“

Frühestens Anfang März dürfte der akademische Senat über die Professur beraten. Die Basis bilden wissenschaftliche Gutachten, aber alle Interessengruppen dürfen mitreden. Das Uni-Präsidium äußert sich zunächst nicht zu dem Thema, das ohnehin vorfristig durchgesickert ist, aber bei den Studenten regt sich Protest: Ackermann solle als Diskussionspartner auftreten, aber nicht als Lehrender, sagt Asta-Referent David Dilmaghani. Sonst sei „die Unabhängigkeit der Uni unmittelbar gefährdet“. Volkswirtschaftsstudent Joachim Münch sekundiert: „Die soziale Verantwortung der Wirtschaft kommt bei uns generell sehr kurz.“ Und ein Kommilitone sagt: „Die Leute hier fassen sich an den Kopf bei dem Thema.“

Einen offiziellen Beschluss haben die Studentenvertreter noch nicht gefasst. Es gebe ja so viel zu protestieren seit der Gerichtsentscheidung für Studiengebühren, sagt der Asta-Vorsitzende Vincenzo Pellegrino. So wie die Mehrheiten im Senat seien, „müssten wir das Präsidium auf unsere Seite kriegen, sonst haben wir keine Chance“. Wie es auch noch laufen könnte, ahnen die Studenten, seit Protestierer vor einigen Monaten einen Gastvortrag von Peter Hartz sprengten.

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