Wirtschaft : Ärzte befürchten Schließung vieler Facharztpraxen Berufsverband kritisiert die Folgen

der Gesundheitsreform

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Berlin (ce). Auf Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sind die Ärzte im Moment nicht gut zu sprechen: „Die Politik betrachtet Ärzte offenbar als kriminelle Objekte“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl, dem Tagesspiegel. Bei vielen Ärzten führe das zu großem Frust, beklagt Stahl. Der KBVSprecher kritisiert, dass die Gesetze zur Gesundheitsreform von einem „tiefen Misstrauen“ gegen die Ärzte zeugten.

Hintergrund für die Verärgerung in der Ärzteschaft ist das Schwarzbuch, das die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Marion Caspers-Merk in der vergangenen Woche vorgelegt hatte. Dort sind Einzelfälle dokumentiert, bei denen Ärzte in den ersten Wochen der Gesundheitsreform nicht korrekt gehandelt haben. „Das sind Einzelfälle, die teilweise schon längst behoben sind“, kommentiert Stahl. Das Gesundheitsministerium wolle damit nur den Ärzten den schwarzen Peter zuschieben.

Wenn auch in Zukunft nur auf die Kosten im Gesundheitswesen geachtet werde, würden zahlreiche Krankenhäuser und Facharztpraxen schließen, fürchtet KBV-Sprecher Stahl. Vor einer solchen Entwicklung warnt auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe, der in den kommenden Jahren als Folge der Gesundheitsreform eine schlechtere medizinische Versorgung in Deutschland prophezeit. Für viele Behandlungen werde es Wartelisten geben, etliche Kliniken würden schließen, und der „Facharzt um die Ecke“ werde auf lange Sicht zur Ausnahme werden, sagte Hoppe der „Welt“. Eine Sprecherin des Ministeriums forderte Hoppe auf, auch für die Chancen der Reform zu werben.

Die KBV fürchtet, dass bei rückläufigen Arztbesuchen zahlreiche Praxen schließen müssten. Noch sei nicht absehbar, ob der Rückgang in den ersten Monaten andauern werde, sagte KBV-Sprecher Stahl. Aber sollte sich der Trend fortsetzen, wären viele Praxen insolvenzgefährdet. Nach KBV-Angaben haben rund ein Drittel der insgesamt 100 000 Arztpraxen keine wirtschaftlichen Rücklagen. In ländlichen Regionen könne das dazu führen, dass Patienten sich mehrere Kilometer bis zur nächsten Arztpraxis fahren lassen müssten.

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