Wirtschaft : Ärzte ohne Grenzen ausgezeichnet

Unternehmensberater loben Transparenz

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Berlin - Die Deutschen spenden gern und viel: Drei Milliarden Euro flossen 2005 an Organisationen, die Menschen in Not helfen. Doch wofür genau setzen die Spendenorganisationen das Geld ein? „Die Aussage ,wir bauen Brunnen’ reicht nicht aus“, sagt Hans Wagener, Vorstandssprecher der Unternehmensberatung PricewaterhauseCoopers (PwC). „Die Spender wollen viel mehr wissen, wie viele Brunnen für wie viel Geld in welchen Dörfern gebaut werden, um beispielsweise 10 000 Menschen den Zugang zu Wasser zu ermöglichen.“ Die Mitarbeiter von PwC selbst hätten nach der Tsunami-Katastrophe helfen wollen und es habe an klaren Kriterien gefehlt, an welche Organisation das Geld fließen soll. Im Gegensatz zu Unternehmen müssen die Hilfsorganisationen, die meist als Vereine organisiert sind, keine Bilanz vorlegen.

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Rechnungslegung der Uni Göttingen hat PwC einen Kriterienkatalog entwickelt, der die Jahresberichte von Spendenorganisationen bewertet. Die besten wurden mit dem „Transparenzpreis“ ausgezeichnet, der 2006 zum zweiten Mal vergeben wurde und mit insgesamt 30 000 Euro dotiert ist. Platz eins und zwei belegten wie im Vorjahr die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und Deutsche Welthungerhilfe (Spendenaufkommen 2005: 65,7 Millionen beziehungsweise 71,7 Millionen Euro), gefolgt von der Kindernothilfe (65,3 Millionen Euro). „Wir bewerten nicht, ob etwa die Verwaltungskosten zu hoch oder zu niedrig sind“, sagte Wagener. „Wir bewerten nur, ob sie offen und transparent kommuniziert werden. Ob ein Zweck sinnvoll ist oder nicht, muss der Spender entscheiden.“ Zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen waren die 50 größten Hilfsorganisationen, die das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen tragen. 41 haben ihre Berichte eingereicht. vis

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