Wirtschaft : Afghanistan bietet Bodenschätze an

Kabuls Bergbau- und Ölminister dankt Berlin für das Engagement und lädt deutsche Investoren ein, nach begehrten Rohstoffen zu suchen.

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Wahidullah Shahrani wünscht sich deutsche Firmen in seinem Land. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Wahidullah Shahrani wünscht sich deutsche Firmen in seinem Land. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Afghanistan, bekanntermaßen eines der ärmsten Länder der Welt, ist auf dem jüngsten Bevölkerungsentwicklungsindex der UN sogar noch weiter abgerutscht: auf Platz 175. Theoretisch aber hätte das Land das Potenzial zum rasanten Aufstieg. So bestätigte die amerikanische Geologiebehörde USGS unlängst Vorbefunde über „beachtliche Rohstoffvorkommen“. Das Land könnte in weniger als 20 Jahren zu den bedeutenden internationalen Anbietern strategisch wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden, Tantalum, Lithium, Eisen, Wolfram, Kupfer, Blei und Zink gehören, heißt es dazu auch in einem Papier des Bundesministeriums für Entwicklung.

Nun, kein Jahr vor dem Abzug der internationalen Streitkräfte vom Hindukusch, intensiviert die Regierung in Kabul ihre Bemühungen, die weitgehend unerschlossenen Vorkommen auszubeuten. „Hier sollen deutsche Firmen eine maßgeblich Rolle spielen“, sagte Wahidullah Shahrani, Afghanistans Minister für Bergbau und Öl, dem Tagesspiegel am Donnerstag in Berlin. Am heutigen Freitag will er hier den „Ersten Deutsch-Afghanischen Rohstoffdialog“ eröffnen und Unternehmern erläutern, was seine Regierung tut, damit aus dem Rohstoffsegen kein -fluch wird. „Wir haben uns genau angeschaut, wo es gut läuft und wo nicht“, sagt Shahrani und nennt Nigeria und Kongo als Negativbeispiele. Lernen könne man indes von Südafrika, Saudi-Arabien, Chile, Australien oder auch der Mongolei. Man brauche einen Plan, „und den haben wir“.

Die Jahre 2014 bis 2024 würden für Afghanistan das „Jahrzehnt der Transformation“, an dessen Ende rund 40 Prozent des Inlandsproduktes mit dem Abbau und Verkauf von Rohstoffen erwirtschaften werden soll, erklärt er. Rund vier Milliarden Dollar solle der Sektor jährlich in die Staatskasse spülen und rund einer halben Million Afghanen Arbeit geben. Insgesamt leben rund 30 Millionen Menschen in dem Land.

Der 38-jährige Shahrani, der das Ministerium seit drei Jahren leitet, baut auf eine von ihm maßgeblich entwickelte Reform des Bergrechts, das Ende des Monats vom Parlament verabschiedet werden dürfte. „Das neue Gesetz setzt neue internationale Standards in Sachen Transparenz und Investitionssicherheit“, wirbt er. So sollen zum Beispiel alle Verträge, die die Regierung mit Minenkonzernen schließt, bis aufs Kleingedruckte und in mehreren Sprachen online veröffentlicht werden. „Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.“ Kern der Reform sei zudem, dass Unternehmen, die das Risiko der Probebohrung eingehen, sich dann auch an der Ausbeutung beteiligen dürfen. Das ist nach bisherigem Recht nicht gesichert – was Investoren abschreckt.

Wer Schürfrechte erwirbt, soll sich zudem verpflichten, mindestens acht Prozent der Stellen mit Afghanen zu besetzten – was die Akzeptanz der ausländischen Investoren bei der Bevölkerung stärken soll. Anders als Chinesen, die bereits nach Kupfer suchen, habe sich Deutschland in den vergangenen Jahren sehr stark sicherheitspolitisch engagiert, aber auch im Bildungs- und Gesundheitssektor. „Das wissen wir zu schätzen“, sagt Shahrani. Nun lade er die deutsche Industrie ein, in die Rohstoffausbeutung einzusteigen. Kevin P. Hoffmann

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