Afrika : Der vergessene Kontinent

Deutsche Firmen machen wenig Geschäfte in Afrika – Ausnahme: Südafrika

Juliane Schäuble,Dagmar Dehmer

Berlin - Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Montag 15 Vorstandschefs großer deutscher Konzerne empfängt, soll es um Afrika gehen. Knapp drei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm steht der Schwarze Kontinent im Mittelpunkt. Doch im Berliner Kanzleramt wird es am morgigen Tag weniger um Hilfe für Afrika gehen als um die Chancen, die Länder wie Südafrika, Nigeria oder Tunesien deutschen Unternehmen bieten. Auf der Agenda stehen daher Möglichkeiten zur Verbesserung der Investitionsbedingungen in Afrika.

Denn große und kleine Unternehmen aus Deutschland sind zwar in vielen Ländern Afrikas vertreten: Sie errichten und warten Kraftwerke und Stromnetze, bauen Staudämme oder produzieren Autos. Aber im weltweiten Vergleich ist die Bundesrepublik eher unterrepräsentiert. Das hat zum Teil historische Gründe, liegt aber auch am ausgeprägten deutschen Sicherheitsbedürfnis. Der senegalesische Autor Adama Gaye sagte dem Tagesspiegel, während die Europäer es auf 50 Millionen Dollar Investitionen auf dem Kontinent bringen, investierten Chinesen mehrere Milliarden Dollar. „China trägt das Risiko“, sagt er und kritisierte zugleich, dass deutsche Unternehmer nur dann nach Afrika gingen, wenn ihnen Exportkreditagenturen „alle Risiken abnehmen“.

Angesichts des kontinuierlichen Wachstums afrikanischer Ökonomien sagt Mandla Gantscho von der Afrikanischen Entwicklungsbank über den gesamten Kontinent: „Afrika ist jetzt für das Geschäft geöffnet.“ Wer das wörtlich nimmt, ist die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), eine Tochter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die DEG berät deutsche Investoren bei ihren Plänen unter anderem in Afrika. 2005 investierte die DEG108 Millionen Euro in Afrika, etwa 19 Prozent ihres Geschäfts, im vergangenen Jahr lag der Betrag in ähnlicher Höhe. Die meisten Mittel fließen in den Finanzsektor. Lediglich zwei Prozent der Investitionen in Afrika musste die DEG abschreiben. Für Winfried Polte, Sprecher der DEG-Geschäftsführung, ist das ein Beweis, „dass man in Afrika Geschäfte machen kann“. Ähnlich optimistisch beurteilt Claas Daun die Lage, der am Montag bei der Kanzlerin auch dabei sein wird. „Afrika hat immenses Potenzial“, sagte der Chef der Holding Daun & Cie AG mit Sitz in Südafrika dem Tagesspiegel. „Afrika ist heute unterbewertet“, wie es Südafrika gewesen sei, als er dort eine Woche nach der Entlassung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis zu investieren begann. Inzwischen beschäftigt er weltweit mehr als 18 000 Menschen, rund 10 000 im Süden Afrikas. Seine Holding gehört zu den 30 größten Unternehmen an der südafrikanischen Börse und macht vier Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Er hält es für wichtig, dass die Entwicklungshilfe vor allem für Bildung ausgegeben wird: „Wenn wir in die Jugend investieren, dann schafft es der Kontinent.“

Mit Abstand wichtigster afrikanischer Handelspartner Deutschlands ist die Republik Südafrika. Der Wert des bilateralen Warenaustauschs belief sich im vergangenen Jahr auf 11,5 Milliarden Euro – und macht damit knapp 40 Prozent des gesamten Handels zwischen Deutschland und Afrika aus. Das Land exportiert beispielsweise Erze und profitiert dabei von den gestiegenen Rohstoffpreisen. Aber noch mehr liefern deutsche Unternehmen nach Südafrika – vor allem Teile und Karosserien von Kraftfahrzeugen. Alleine die Exporte im Automobilsektor belaufen sich auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Große deutsche Autohersteller wie Daimler-Chrysler oder Volkswagen produzieren vor Ort. Kurz: Das Land ist eine Ausnahmeerscheinung auf dem Kontinent. Claas Daun sagt: „Wenn Südafrika weiter wächst, strahlt das auch auf die anderen Länder der Region aus.“

So fallen unter den 53 afrikanischen Staaten auch andere durch ihre wirtschaftliche Entwicklung auf, vor allem im nördlichen Afrika. Die Länder im Norden gelten als wichtigste Handelsregion für Deutschland: Ihr Anteil am afrikanischen Außenhandel beläuft sich auf knapp 45 Prozent. In Tunesien etwa engagiert sich der deutsche Mittelstand stark. Hier investieren mehr als 300 deutsche Unternehmen.

Insgesamt stieg das Außenhandelsvolumen zwischen Deutschland und Afrika nach Angaben des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr um 17,8 Prozent auf knapp 33 Milliarden Euro. Dabei liegen die deutschen Exporte nach Afrika (16,6 Milliarden Euro) knapp über den Importen (16,4). Verantwortlich für den starken Anstieg ist die weltweit hohe Nachfrage nach Rohstoffen und Energie. „Zulasten der deutschen Bilanz des Afrikahandels fällt, dass die deutsche Unternehmerlandschaft fast keine Rohstoffkonzerne kennt“, sagt Michael Monnerjahn vom Afrika-Verein. Die großen Investitionen der vergangenen Jahren seien aber im Erdölsektor getätigt worden, und da gebe es auf deutscher Seite eigentlich nur die BASF-Tochter Wintershall in Libyen. Das Land gilt als der wichtigste afrikanische Erdöllieferant für Deutschland. Der Kassler Konzern ist dort seit 1958 aktiv – mit Erfolg. Wintershall hat in die Ölförderung nach eigenen Angaben mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar (knapp 900 Millionen Euro) investiert.

Bilfinger Berger ist ein anderes Beispiel. Acht Prozent seines Umsatzes hat der Baukonzern auf dem afrikanischen Kontinent im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftet. Das Unternehmen wartet Kraftwerke in Südafrika und baut in Algerien. Über die Beteiligungsgesellschaft Julius Berger Nigeria ist es seit mehr als 30 Jahren in dem westafrikanischen Land aktiv. Das Unternehmen beschäftigt dort rund 20 000 Menschen. Insgesamt gibt es in Nigeria circa 150 bis 180 Firmen mit deutscher Beteiligung.

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