Wirtschaft : Afrikanische Einsicht

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Der ugandische Präsident Yoweri Museveni hat sich schon mehrfach für einen freien Welthandel ausgesprochen. Bei einem Besuch in unserem New Yorker Büro machte er kürzlich auch keinen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber fanatischen Globalisierungsgegnern, die behaupten, sie würden für Afrika sprechen. Bei den jüngsten Handelsgesprächen zeichnete sich eine Koalition von Aktivisten und Herstellern von Nachahmermedikamenten ab, die argumentierte, dass USPharmapatente ein bedeutendes Hindernis für die Behandlung von Epidemien in der Dritten Welt seien. Europäische Verhandlungsführer begrüßten den Gedanken, schließlich lenke er die Aufmerksamkeit vom wahren Problem ab: dem Agrarprotektionismus der Ersten Welt.

Museveni: „Wenn es (in den USA und Europa) keine Agrarsubventionen gäbe, würden wir genügend Geld verdienen, um so viele Medikamente zu kaufen wie wir wollen.“ Im Übrigen erklärte der Präsident, dass die zukünftige Entwicklung neuer Medikamente von den Anreizen abhinge, die Patente bieten. Er zitiert ein altes Stammes-Sprichwort: „Man kann nicht so hungrig sein, dass man die Saat isst.“ Seiner Ansicht nach sollten jegliche Regelungen für Patentausnahmen auf echte gesundheitliche Notfälle beschränkt sein und nicht Menschen ermöglichen, aus der „Pionier“-Arbeit anderer kommerziellen Nutzen zu ziehen.

Wir wünschten nur, diese Argumente würden in Washington und Brüssel so gut wie in Kampala verstanden. Die EU unternimmt Anstrengungen, den Patentschutz, den neue Medikamente genießen, abzuschwächen. Und US-Kongressabgeordnete, die an einer neuen, öffentlich finanzierten Vergünstigung für ältere Bürger bei verschreibungspflichtigen Medikamenten arbeiten, laufen Gefahr, die Anreize für die Entwicklung von Medikamenten zu untergraben. Entweder indem sie im Inland Preiskontrollen schaffen oder den Amerikanern gestatten, preiskontrollierte Medikamente aus dem Ausland zu „reimportieren“. Kanada, Australien und Europa sollten ganz gewiss überzeugt werden, ihren fairen Anteil an pharmazeutischer Forschung und Entwicklung zu zahlen. Die Antwort kann sicher nicht lauten, dass das reiche Amerika sich ihnen anschließen würde, wenn sie die Saat verschlingen.

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