Wirtschaft : Agfa droht das Aus

Verkauf an Finanzinvestor Cerberus wegen Streits um Markenrechte geplatzt – nun sind die 1100 noch verbliebenen Stellen in Gefahr

Stefan Kaiser

Köln - Dem insolventen Leverkusener Traditionsunternehmen Agfa-Photo droht die Zerlegung in seine Einzelteile. Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus, der das Unternehmen kaufen wollte, ist aus dem Bieterprozess ausgestiegen, weil er die von ihm verlangten Rechte zur Markennutzung nicht bekommen konnte. „Der Fortbestand ist gefährdet“, erklärte der Geschäftsführer von Agfa-Photo, Hans-Gerd Jauch, am Dienstag auf einer Gläubigerversammlung im Kölner Amtsgericht. „Ohne Kontrolle der Markenlizenz ist Agfa-Photo nicht gut verkaufbar“, sagte Jauch. Jetzt sind auch die verbliebenen 1100 der ursprünglich 1800 Arbeitsplätze in Gefahr.

Cerberus war der von Jauch und Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier favorisierte Bieter, weil er die gesamte Firma übernehmen wollte. Auch der zweite Bieter, der britische Fotoautomatenbetreiber Photo Me, will wesentliche Teile erhalten und rund 400 Mitarbeiter übernehmen. Doch auch diese Verhandlungen drohen wegen des Streits um die Markenrechte zu scheitern oder so lange verzögert zu werden, dass bei Agfa die Produktion eingestellt werden müsste. Dann bliebe nur noch der Verkauf der Einzelteile übrig. Mit dem Fuji-Konzern wird bereits verhandelt, der an Großlaboren in München und Peiting mit rund 60 Mitarbeitern interessiert ist. Dafür wollen die Japaner 17,6 Millionen Euro zahlen.

Agfa-Photo ist eine hundertprozentige Tochter der Agfa-Photo Holding, die eine Investorengruppe um den Ex-Unternehmensberater Hartmut Emans im November 2004 aus dem belgischen Agfa-Gevaert Konzern herausgekauft hatte. Im Mai hatte die wichtigste Tochter der Holding, die Agfa-Photo GmbH, überraschend Insolvenz beantragt.

Hintergrund des missglückten Verkaufsversuchs an Cerberus ist ein Streit um die Markenrechte zwischen dem ehemaligen Mutterkonzern Agfa-Gevaert und der heutigen Muttergesellschaft Agfa-Photo Holding. Der Markenname Agfa gehört immer noch dem Agfa-Gevaert Konzern, die Nutzungsrechte hatten die Belgier allerdings an die nicht insolvente Agfa-Photo Holding abgegeben. Deren Gesellschafter Emans will die Lizenz jetzt nur gegen Geld herausgeben – laut Jauch sollen es 15 Millionen Euro für drei Jahre sein. Nun streiten die beiden Konzerne, wer die Rechte weitergeben darf. Außerdem ist auch die Höhe des Kaufpreises zwischen Emans und Agfa- Gevaert immer noch ungeklärt.

Unter den Gläubigern und Arbeitnehmern herrscht Wut – auf den belgischen ehemaligen Mutterkonzern, vor allem aber auf Investor Emans. „Herr Emans will offenbar mit den Markenrechten schnelles Geld machen“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernhard Dykstra. Er hofft, dass Photo Me doch noch den Zuschlag erhält und so wenigsten 400 der ehemals 1800 Arbeitsplätze rettet. Auch Frank Löllgen, Bezirksleiter der IG Bergbau Chemie Energie und Aufsichtsrat bei Agfa-Photo, greift Emans an: „Herr Emans hat nicht nur eine Teilschuld an der Insolvenz, sondern sorgt auch mit seinem Geschäftsgebaren dafür, dass die Arbeitsplätze nicht erhalten bleiben.“

Die Insolvenz war im Mai nicht nur für die Arbeitnehmer überraschend gekommen. Noch kurz vor der Abspaltung der Agfa-Photo von Agfa-Gevaert Ende 2004 hatte Investor Emans von einer „sehr soliden Bilanz“ und glänzenden Aussichten gesprochen. Warum es so schnell bergab ging mit Agfa-Photo, darüber mutmaßen auch Insolvenzverwalter Ringstmeier und Geschäftsführer Jauch. Zum einen sei das Unternehmen durch die „überlegene digitale Fototechnik auf die abschüssige Bahn geraten“, schreibt Jauch in seinem Bericht für das Insolvenzgericht. Die Umsätze sanken dramatisch. Darüber hinaus hätten aber auch Abrechnungsprobleme zwischen Agfa-Photo und Agfa-Gevaert die Insolvenz ausgelöst. Das Klima scheint heute frostiger denn je. Geschäftsführer Jauch spricht von einem „Kommunikationsinfarkt“. Sollten sich Agfa- Photo, Photo Me, Agfa-Gevaert und Hartmut Emans nicht einigen, wird von Agfa wohl nur noch der einst große Name übrig bleiben. Der könnte dann – ohne Produktion und ohne Mitarbeiter – an Finanzinvestoren verkauft werden.

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