Wirtschaft : Agfa-Photo wird abgewickelt

Die Gläubiger des Unternehmens lehnen ein Kaufangebot der britischen Firma Photo-Me ab

Stefan Kaiser

Düsseldorf - geführt würden.

Insgesamt will Photo-Me nach bisherigen Angaben rund 400 der ehemals 1800 Agfa-Photo-Mitarbeiter übernehmen, 750 sind bereits in eine Beschäftigungsgesellschaft gewechselt, wo sie ein Jahr lang 90 Prozent ihres letzten Lohnes erhalten. Auch für die restlichen Mitarbeiter sollen ähnliche Lösungen gefunden werden.

Falls die Gläubiger dem Angebot von Photo-Me nicht zustimmen, soll das Geschäft der Agfa-Photo bis Jahresende abgewickelt werden. Parallel dazu würde Insolvenzverwalter Ringstmeier versuchen müssen, einzelne Teile des Unternehmens an Investoren zu verkaufen. Dabei würden voraussichtlich nur sehr wenige Arbeitsplätze bestehen bleiben.Die Rettung des insolventen Traditionsunternehmen Agfa-Photo ist in letzter Minute gescheitert. Der Gläubigerausschuss wies am Dienstagabend ein Übernahmeangebot des britischen Unternehmens Photo-Me zurück. Das Angebot habe sich gegenüber der vergangen Woche „dramatisch verschlechtert“ und sei von den Briten „als nicht verhandelbar präsentiert worden“, sagte der Geschäftsführer von Agfa-Photo, Hans-Gerd Jauch. Photo-Me war der einzig übrig gebliebene Bieter für das Gesamtunternehmen. Nun wird Agfa-Photo voraussichtlich in seine Einzelteile zerlegt werden. Die verbliebenen 1100 Mitarbeiter sollen für ein Jahr in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln.

Nicht nur der gebotene Preis war der Grund für eine Ablehnung des Angebots, sondern auch, das Photo-Me keine ausreichenden Arbeitsplatzgarantien geben wollte. „Es wurde versucht, möglichst viele Risiken auf Agfa-Photo abzuwälzen“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Andreas Ringstmeier dem Tagesspiegel. „Die Gläubigerversammlung hat das Angebot durchgerechnet und ist am Ende fast zu einem negativen Kaufpreis gekommen.“ In früheren Verhandlungen war von einem Preis von rund 40 Millionen Euro die Rede gewesen. Das neue Angebot lag offenbar deutlich darunter. Auch die zuvor zugesicherte Arbeitsplatzgarantie für 400 Mitarbeiter der Agfa-Photo ist nach Angaben des Sprechers mit dem jetzt vorgelegten Angebot de facto nicht mehr gegeben. Bereits in der vergangenen Woche waren Verhandlungen mit dem US-Finanzinvestor Cerberus geplatzt, weil dieser sich mit der Muttergesellschaft von Agfa-Photo, der Agfa-Photo Holding, nicht auf einen Preis für die Lizenzrechte am Markennamen Agfa hatte einigen können. Daran zumindest sind die Verhandlungen mit Photo-Me nicht gescheitert. „Hier hatten wir eine tragfähige Lösung“, sagte Geschäftsführer Jauch. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernhard Dykstra äußerte sich enttäuscht: „Wir hatten große Hoffnungen in diese Verhandlungen gesteckt.“ Über das jetzige Ergebnis seien alle schockiert, sagte er dem Tagesspiegel.

Agfa-Photo war im November vergangenen Jahres vom belgischen Agfa-Gevaert-Konzern abgespalten worden und hatte im Mai überraschend Insolvenz beantragt. Jetzt soll das Geschäft bis Ende des Jahres abgewickelt werden. Parallel dazu wird Insolvenzverwalter Ringstmeier versuchen, einzelne Teile des Unternehmens zu verkaufen. Dazu stehen angeblich schon mehrere Investoren bereit, unter anderem der japanische Foto-Konzern Fuji.

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