Wirtschaft : Agfas Finanzchef geht

Staatsanwälte prüfen, ob sie Ermittlungen einleiten

Corinna Visser

Berlin - Der Finanzchef der angeschlagenen Agfa-Photo GmbH, Marc Bamberger, hat seinen Posten niedergelegt. Darauf hätte sich der Manager mit dem Aufsichtsrat und dem vorläufigen Insolvenzverwalter geeinigt, teilte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag mit. Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft Köln, ob sie Ermittlungen gegen die Manager des Unternehmens einleiten soll. „Wir prüfen, ob der Anfangsverdacht einer Straftat besteht“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel. Dabei könne es um eine Konkursstraftat, Untreue oder Betrug gehen. Weitere Details wollte er nicht nennen.

Das vorläufige Insolvenzverfahren der Agfa-Photo läuft seit 25.Mai. Es kam auch für die Arbeitnehmervertreter offenbar völlig überraschend. Laut Betriebsrat ist noch Anfang Mai in einer Sitzung des Wirtschaftsauschusses keine Rede von Liquiditätsproblemen gewesen. Agfa-Photo mit 1800 Mitarbeitern in Deutschland war erst im November 2004 aus dem belgischen Agfa-Gevaert- Konzern ausgegliedert worden. Das Unternehmen gehört zu 100 Prozent der Agfa Holding, deren Mehrheitseigentümer (55 Prozent) wiederum die Beteiligungsfirma des Münchner Investors Hartmut Emans ist. Dieser streitet mit Agfa-Gevaert immer noch über den Kaufpreis. Unklar ist, wo Barreserven von 72 Millionen Euro sowie Eigenkapital von 300 Millionen Euro geblieben sind. Beides soll im November bei Agfa-Photo noch vorhanden gewesen sein.

In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger weist Emans Verdächtigungen zurück, er habe Geld aus der Firma entnommen. „Der Gesellschaft wurde kein Geld entzogen“, sagte Emans. Die neuen Gesellschafter hätten vielmehr 19,5 Millionen Euro eigenes Geld an Agfa-Photo gegeben. „Da droht ein Verlust von viel Geld.“

Statt verschwundenes Geld und Schuldige zu suchen, habe für den vorläufigen Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier die Stabilisierung der Firma Priorität, sagte ein Sprecher von Agfa-Photo. „Es hat keinen Sinn, die Kräfte auf die Vergangenheit zu richten, dabei würde die Zukunft auf der Strecke bleiben.“ In der zweiten Juli-Hälfte wolle Ringstmeier einen Sanierungsplan vorlegen.

Inzwischen läuft die Produktion wieder. Die Beschäftigten haben das erste Insolvenzgeld erhalten. „Die Belegschaft setzt viel Vertrauen in Herrn Ringstmeier“, sagte Gesamtbetriebsratschef Bernhard Dykstra dem Tagesspiegel. Zum Rücktritt Bambergers sagte er: „Ich werfe dem Finanzchef zumindest eines vor – dass er nicht rechtzeitig über die Zahlungsunfähigkeit informiert hat.“

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