Agrarland Niedersachsen : Weniger aber gefährlichere Antibiotika im Tierfutter

In Niedersachsen, einem der größten Agrarländer Deutschlands, ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung unterm Strich deutlich zurückgegangen. Trotzdem sieht die rot-grüne Landesregierung ein Problem

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Zuchtferkel unter der Wärmelampe (hier in Mecklenburg-Vorpommern).
Zuchtferkel unter der Wärmelampe (hier in Mecklenburg-Vorpommern).Foto: Bernd Wüstneck/dpa

„Im ersten Halbjahr 2015 ist der gesamte Antibiotikaeinsatz in Niedersachsen um 20 bis 30 Prozent gesunken“, sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) dem Tagesspiegel. Meyer führt das auf bessere Haltungsbedingungen in den Ställen zurück. Zudem hätten die Landwirte auf prophylaktische Anwendungen verzichtet. Jedes zweite Huhn, jede zweite Pute und jedes dritte Schwein kommen aus Niedersachsen.

Besorgniserregend sei jedoch, dass während die Gesamtmenge der Antibiotika zurückgegangen ist, der Absatz von Reserveantibiotika – Stoffe, die für den Menschen reserviert sind – gestiegen ist. So habe der Absatz von Fluorchinolonen um 50 Prozent zugenommen. „Jedes Jahr sterben rund 15.000 Menschen an antibiotikaresistenten Keimen“, kritisierte Meyer. „Die industrielle Massentierhaltung hat daran einen Anteil.“ Der Grünen-Politiker forderte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) auf, eine Liste mit Reserveantibiotika vorzulegen, die in der Massentierhaltung gar nicht mehr oder nur mit hohen Auflagen verwendet werden dürfen.

Niedersachsens Verbraucherschutz- und Agrarminister Christian Meyer (Grüne) kritisiert den Bundesminister von der CSU.
Niedersachsens Verbraucherschutz- und Agrarminister Christian Meyer (Grüne) kritisiert den Bundesminister von der CSU.Foto: dpa

Der Minister äußerte sich im Vorfeld der Grünen Woche, der weltgrößten Agrarmesse, die am 15. Januar auf dem Messegelände unterm Berliner Funkturm beginnt. Im Umfeld der Grünen Woche treffen sich traditionell auch Landwirtschaftsminister aus aller Welt zu einer Konferenz.

Tierwohl im Stall? "Schmidt dreht Däumchen"

Der Niedersachsens Meyer forderte bei der Gelegenheit auch ein bundesweit einheitliches, einfaches Tierschutzsiegel. „Bisher ist die Kennzeichnung sehr undurchsichtig“. Der Bauernverband mache zwar mit dem Handel eine Tierwohlinitiative, „aber dem konkreten Schnitzel sieht man nicht an, wie das Schwein gehalten wurde“, kritisiert er. Vorbild für die Tierschutzkennzeichnung könnte die Kennzeichnung von Eiern sein, schlägt Meyer vor. „Seitdem die Unternehmen angeben müssen, ob ein Ei aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung stammt, ist der Anteil von Bio und Freiland mächtig gestiegen.“

Meyer übte auch in dem Punkt Kritik an Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, der bislang auf freiwillige Lösungen setzt. Egal ob es um das Schnäbelkürzen bei Geflügel gehe oder das Kupieren der Schwänze bei Schweine, „Christian Schmidt macht nichts und dreht Däumchen“, kritisierte Meyer. In Niedersachsen ist es bereits seit 2014 verboten, die Schnäbel von Enten zu kürzen. Ende 2016 wird in Niedersachsen auch das Schnäbelkürzen bei Legehennen nicht mehr erlaubt sein.