Agrarminister Friedrich auf der Grünen Woche : Ein Häppchen für jeden

Bei seinem Besuch auf der weltgrößten Landwirtschaftsmesse zeigt sich der neue Agrarminister Hans-Peter Friedrich für alle Seiten offen.

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Abstinenzler sollte man nicht sein: Agrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kosten Bier auf der Grünen Woche.
Abstinenzler sollte man nicht sein: Agrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD)...Foto: dpa

Abstinenzler sollte man nicht sein. Und auch einen robusten Magen muss man haben, wenn man Agrarminister werden will. Alles andere kommt von selbst. Wobei es im Ministerium für Scholle, Wald und Meer natürlich auch nicht schadet, wie weiland Josef Ertl die Kindheit auf dem Hof zugebracht zu haben oder wie Ilse Aigner wenigstens eine kleine Waldparzelle im Oberbayerischen sein Eigen zu nennen. All das kann der neue Agrarminister Hans-Peter Friedrich nicht vorweisen. Aber wenigstens ist der Jurist in der Bauernpartei CSU. Und sein Wahlkreis im Oberfränkischen liegt im ländlichen Raum. Ein Trumpf, den der Neue auf der Grünen Woche daher gern bei Bedarf immer mal wieder aus dem Ärmel zieht.

Seit dem 17. Dezember ist Friedrich Landwirtschaftsminister. Gerade mal einen Monat hatte er Zeit, um sich auf das Hochamt der Landwirtschaftsbewegung vorzubereiten, die Grüne Woche. Der erste große Auftritt, ein Minister unter Beobachtung.

Grüne Woche für Besucher geöffnet
Grüne Woche für Besucher geöffnet

Er schlägt sich wacker. Auf dem traditionellen Messerundgang vertilgt der 56-Jährige tapfer Gouda-Würfelchen aus Holland, schiebt Wurstscheiben aus Polen nach und schleckt quasi zum Nachtisch slowenischen Honig vom Holzlöffel. Selbst das erste Bier um halb neun in der Früh und auch der anschließende Weißwein werfen den Minister nicht aus der Bahn. Nippen statt kippen, so übersteht man Bierzelte und auch die Grüne Woche.

Friedrich hat sich nicht um das Amt beworben

Zum neuen Amt kam der Franke wie schon zum alten – zu seiner eigenen Überraschung. Gegen den Wechsel von der Freiheit des Landesgruppenchefs zur Pflicht des Bundesinnenministers hatte er Bedenken, wohl auch, weil er ahnte, dass ihm das unbekannte Terrain des schwarzen Sheriffs nicht im Blut lag. Doch sein Parteichef Horst Seehofer, durch den Absturz des Karl-Theodor zu Guttenberg in Personalverlegenheit geraten, drängte ihn auf den Posten. Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass Seehofer an ihm als Chef der CSU-Abgeordneten in Berlin nicht nur Freude hatte – es gab da manchmal hartnäckige Widerworte Richtung München. Friedrich brauchte tatsächlich lange, um im Innenministerium anzukommen; auch in den eigenen Reihen war nicht jeder davon überzeugt, dass er dort jemals richtig am Platz war. Trotzdem, er fühlte sich zuletzt ganz wohl im Haus am Spreebogen, und ging davon aus, dass er dort bleiben würde. Er ahnte so wenig wie die anderen CSU-Bundesminister, dass Seehofer im koalitionären Postenhandel das Innenministerium preisgegeben hatte – im Tausch gegen zwei „kleinere“ Ressorts in der informellen Kabinettshierarchie, das Agrar- und das Entwicklungsministerium. Friedrich blieb nur der Trost, dass ihm sein Parteichef die Wahl ließ, welches der beiden Häuser er leiten wollte. Viel Überlegung brauchte es nicht. Dem Franken, im kargen Zonenrandgebiet bei Hof aufgewachsen, ist eben letztlich die Heimat näher als die weite Welt.

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