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Agrarministergipfel : Wie der Hunger in der Welt bekämpft werden soll

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen anwachsen. Alle sollen satt werden, haben die 69 Agrarminister am Rand der Grünen Woche beschlossen. Sie wollen die Landwirtschaft stärken, Geld in Forschung stecken und die Familienbetriebe unterstützen.

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69 Agrarminister aus aller Welt trafen sich in Berlin, um über den Hunger in der Welt zu beraten
69 Agrarminister aus aller Welt trafen sich in Berlin, um über den Hunger in der Welt zu beratenFoto: dpa

Es sind die ganz großen Fragen, die die 69 Agrarminister aus aller Welt an diesem Samstag lösen wollten. Auf neun Milliarden Menschen wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 anwachsen. Um jeden satt zu bekommen, müssten die Landwirte 70 Prozent mehr aus ihren Feldern herausholen, hat die Unep, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UN), ausgerechnet. Und das, ohne die Böden noch stärker auszulaugen, mehr Wälder zu roden und das Wasser, das in vielen Teilen der Welt ohnehin schon knapp ist, weiter aufzubrauchen.
Die Antwort, die die 69 Minister sowie weitere Vertreter internationaler Organisationen auf dem „Global Forum for Food and Agriculture“, dem weltgrößten Agrarministergipfel, der traditionell in die Grüne Woche eingebettet ist, gefunden haben: Sie wollen die globale Landwirtschaft stärken. Angesichts von Klimawandel und begrenzten Ressourcen müsse der Lebensmittelanbau widerstandsfähiger gemacht werden, erklärte Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Dafür soll unter anderem die Nutzpflanzenforschung stärker gefördert werden. Zudem verständigten sich die Gipfelteilnehmer darauf, natürliche Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Dritter Punkt im Kampf gegen den Hunger ist die Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Basis dafür sind nach Einschätzung Friedrichs die bäuerlichen Familienbetriebe. Man müsse den Zugang zu Bildung und Ausbildung garantieren, um die Qualifikation weltweit zu erhöhen. „Wir haben uns auf ganz konkrete Arbeitsfelder geeinigt“, sagte Friedrich dem Tagesspiegel. „Meilensteine“ aus Sicht des neuen deutschen Ministers sind dabei die weltweite Wertschätzung der Familienbetriebe, die Anerkennung von dezentralen Lösungen und die Respektierung von Eigentum. „Das ist fantastisch“, betonte Friedrich.
Obwohl heute schon 840 Millionen Menschen auf der Welt hungern und weitere zwei Milliarden fehlernährt sind, glaubt der CSU-Politiker, dass genug Lebensmittel produziert werden können, um auch die steigende Weltbevölkerung zu versorgen: „Wir können auch neun Milliarden Menschen ernähren.“ EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos will dazu die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen. 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel gehen nach Schätzungen der FAO, der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der UN, verloren – das Meiste schon auf dem Feld oder auf dem Weg zum Konsumenten. .

Wachstum muss nachhaltig sein

Eines ist den Agrarministern und auch Friedrich ganz besonders wichtig: „Das Produktivitätswachstum geht nur in Verbindung mit Nachhaltigkeit“. Nachhaltigkeit ist das neue Zauberwort der Agrarpolitik. Auch EU-Kommissar Ciolos setzt sich für eine nachhaltige Landwirtschaft ein, die ressourcenschonend wirtschaftet. Der Rumäne ist stolz auf die im vergangenen Jahr verabschiedete Agrarreform, die den vernünftigen Umgang mit natürlichen Ressourcen belohne.

Zu den Mahnern gehört auch Achim Steiner, Unep-Exekutivdirektor. Der Deutsch-Brasilianer warnt vor einem Raubbau an der Natur. „Wir dürfen nicht weitere Wälder abholzen und Moore trockenlegen“, sagte Steiner dem Tagesspiegel. Denn der kurzfristige Gewinn neuer Ackerflächen sei teuer erkauft – mit Klimaveränderungen, Wasserknappheit und dem Verlust fruchtbaren Mutterbodens. Das könnte bis zum Jahr 2050 ein Viertel der Weltnahrungsproduktion kosten und das Essen, das so verloren geht, könnte 2,4 Milliarden Menschen ernähren.

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