Agrarspekulationen : Die Deutsche Bank lenkt ein

Das Institut trennt sich von umstrittenen Geschäften: Die Deutsche Bank will weniger Agrar-Finanzprodukte anbieten und zieht sich aus einem Hafenprojekt in Australien zurück.

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Demonstranten haben die Hauptversammlung der Deutschen Bank gestört.
Demonstranten haben die Hauptversammlung der Deutschen Bank gestört.Foto: dpa

Wann wird der Kulturwandel der Deutschen Bank endlich sichtbar? Diese Frage mussten sich die beiden Konzernchefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, in den vergangenen Monaten immer wieder anhören. Doch jetzt tut sich etwas. Erst kündigt die Bank an, sich vorerst nicht weiter an der Finanzierung des umstrittenen Kohlehafens unweit des Great Barrier Reefs in Australien beteiligen zu wollen. Und nun will sie auch die Agrarspekulation weiter zurückfahren.

Bei den Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die das Geschäftsgebahren der Deutschen Bank seit Jahren kritisieren, kommt das gut an. „Das ist ein Schritt vorwärts“, sagte David Hachfeld von Oxfam am Montag dem Tagesspiegel.

Worauf die Deutsche Bank verzichten will

Die Deutsche Bank will künftig keine Fonds mehr anbieten, die auf der sogenannten Momentum-Strategie basieren. Bei solchen Produkten kauft ein Fonds Rohstoffe, deren Preise zuletzt gestiegen sind, und setzt darauf, dass sie weiter zulegen. Kritiker monieren, dass das die Preise in die Höhe treiben könnte. In Zukunft will die Deutsche Bank auf solche Produkte verzichten. Nach eigenen Angaben will das Institut sicherstellen, „dass die zugrundeliegenden Investitionsstrategien nicht das Entstehen von Preisspitzen begünstigen“. Für Hachfeld kommt das überraschend. „Die Deutsche Bank war mit konkreten Schritten bislang sehr zurückhaltend“, sagte er.

Wissenschaftler, Banker und NGOs streiten seit Jahren über die Frage, ob die Spekulation mit Agrarrohstoffen die Preise für Lebensmittel nach oben treibt. Einen Beweis dafür oder dagegen konnte bislang weder die eine noch die andere Seite vorlegen. Viele Banken sind dennoch vorsichtshalber aus dem Geschäft ausgestiegen – darunter die Commerzbank, die Berliner Sparkasse und das britische Bankhaus Barclays. Anders als sie verabschiedet sich die Deutsche Bank nun allerdings nur aus einem Teilmarkt. Auch künftig will sie ihren Kunden Finanzprodukte anbieten, „die die gesamte Wertschöpfungskette des Agrarbereichs abdecken“. Zudem gilt die Verpflichtung nur für Finanzpapiere, die die Bank in Zukunft auflegt – nicht etwa für laufende Fonds.

Welche Geschäfte das Geldhaus in Indien macht

Überrascht sind Nichtregierungsorganisationen auch über die Zurückhaltung, was die Finanzierung des Hafens in Australien angeht. „Wir freuen uns über die Entscheidung der Deutschen Bank“, sagte Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation Urgewald. Die Unesco hatte angekündigt, das Barrier Reef auf die Liste der „gefährdeten Welterbe“ zu setzen, sollte das Projekt umgesetzt werden.

Dennoch hat die Deutsche Bank längst nicht alle Kritikpunkte ausgeräumt. So kritisieren Nichtregierungsorganisationen, dass das Geldhaus immer noch Milliarden für Kohleprojekte ausgibt – zum Beispiel in Jains Heimat Indien. Dort begleitete das Institut 2010 den Börsengang von Coal India. Dabei bedrohten die Minen des Unternehmens die Wälder und würden oft ohne Umweltgenehmigung betrieben, so dass die Behörden bereits mehr als 40 geschlossen hätten.

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