Agrarwirtschaft : Es geht um die Milch

Gipfel, Teil eins: Seehofer und die Erzeuger reden über stabile Preise. Nächste Woche geht es weiter.

Kevin Hoffmann[Heike Jahberg],Franziska Widmann
Schaber
Der Blockierer: Romuald Schaber will jetzt die Milch knapp machen. -Foto: dpa

BerlinGastgeber Horst Seehofer strahlte gegen die Berliner Sonne an. Das erste Treffen zum Auftakt seines dreiteiligen Milchgipfels sollte noch relativ harmonisch verlaufen. Am Donnerstag lud der als Bauernfreund bekannte, christsoziale Agrarminister zunächst die Landwirte nach Berlin, die vor gut drei Wochen praktisch alle 120 Großmolkereien in Deutschland lahmgelegt hatten, um höhere Preise für ihre Milch durchzusetzen. Am kommenden Mittwoch bittet Seehofer die Molkereien zum Gespräch, dann erst die mächtigen Einzelhändler. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Bauern verlässliche und nachhaltige Rahmenbedingungen bekommen, damit nicht bei jeder Schwankung von Preisen gleich die Existenzfrage aufkommt“, sagte der Minister.

Die Frage ist nur wie. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner forderte, überhaupt erst einmal Marktwirtschaft in dem Sektor herzustellen: „Was wir mit dem Milchpreis erleben, wird durch Erpressung des Marktführers hergestellt“, kritisierte der Bauernführer. Ein Einzelhändler diktiere die Preise, alle zögen nach. „Und das zum Schaden der 100 000 Milchbauern und 120 Molkereien.“ Das Gebaren der Einzelhändler sei ein Fall für die Kartellwächter, meinte Sonnleitner.

Die richten ihren Blick allerdings derzeit eher auf die Bauern. Die Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), weil der seine Mitglieder zum Milchboykott aufgerufen hatte. „Geldbußen drohen dem Verband jedoch nicht“, sagte Behördensprecher Markus Zeise. Doch nicht nur die Milchbauern, auch Molkereien und der Handel beschäftigen das Amt. „Wir untersuchen, wie die Preisbildung bei der Milch funktioniert“, erklärte Zeise. Die Untersuchung richte sich aber nicht gegen bestimmte Firmen.

Die Milchbauern waren auf die Straße gegangen, nachdem Aldi den Preis für frische Vollmilch auf 61 Cent gesenkt hatte und alle Konkurrenten dem Discounter gefolgt waren. Nach dem Protest der Landwirte ruderte der Handel zurück. Jetzt kostet der Liter Vollmilch praktisch in allen Läden 68 Cent.

Der Einzelhandelsverband HDE weist die Kritik der Bauern zurück. „Der Handel kann die Probleme nicht lösen“, sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr, „von der Milch wird der Handel nicht reich.“ Den Vorwurf der Bauern, dass in den Läden nur die Milch, nicht aber auch Butter oder Käse teurer geworden sind, hält der HDE für unberechtigt. „Wir können kein Kartell schmieden, um die Preise zu erhöhen“, so Pellengahr.

Die Milchbauern setzen jetzt auf Verknappung. „Seit Januar ist das Milchangebot auf den Milchmärkten zu groß“, sagte BDM-Chef Romuald Schaber. Er hatte sich in den Blockadewochen als Anführer der Milchbauern profiliert. Schaber ist für „Anpassungen“, damit weniger Milch auf dem Markt ist und die Preise nicht in den Keller fallen.

Von der Idee hält Minister Seehofer wenig: „Das wäre eine eigenartige Antwort“, sagte er. Schließlich könnten die Lücken durch Bauern aus den Nachbarländern leicht gefüllt werden. Das sieht auch Handelssprecher Pellengahr so. Und auch das Bundeskartellamt ist wachsam. „Preiserhöhungen über künstliche Verknappungen lassen sich mit dem Kartellrecht nicht vereinbaren“, warnte Sprecher Zeise.

0 Kommentare

Neuester Kommentar