Wirtschaft : Agrevo steht der Abzug aus Berlin bevor

BERLIN (chi). Die Berliner Zentrale der Hoechst-Schering-Agrevo GmbH wird der bevorstehenden Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc zu Aventis weitgehend zum Opfer fallen. Nachdem sich die Konzerne bislang bedeckt hielten und darauf verwiesen, daß über die konkreten Auswirkungen der Fusion auf Standorte und Mitarbeiter noch beraten werde, räumte Agrevo-Sprecher Rainer Bechtold am Dienstag ein: "Mittelfristig werden in Berlin Stellen reduziert oder verlagert." Und mittelfristig bedeute "im Laufe des Jahres 2000". Konkrete Entscheidungen gebe es aber noch nicht. In Berlin sind 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Bechtold betonte, daß über die Details noch in den Arbeitsgruppen "und unter Mitarbeit der Arbeitnehmervertreter" beraten werde. Das endgültige Standortkonzept soll bis Mitte Juli vorliegen.

Für die Mitarbeiter in Berlin ist die Nachricht dennoch keine Überraschung, sagte Betriebsratsvorsitzender Götz Berndt. Denn laut Fusionsvereinbarung der Konzerne soll die Zentrale der künftigen Pflanzenschutztochter Aventis Crop Science, an der Schering noch mit 24 Prozent beteiligt sein wird, nicht in Berlin, sondern in Lyon angesiedelt werden. Aber auch im Vergleich zu anderen deutschen Standorten haben die Berliner schlechte Karten. Frankfurt (Main) ist mit 1200 Beschäftigten mit Abstand größter Forschungs- und Produktionsstandort der bisherigen Agrevo, weitere Produktionsstandorte sind Wolfenbüttel, Köln-Knapsack und Gendorf in Bayern. Aus Berlin wurde die Forschung bereits vor zwei Jahren mit damals 170 Mitarbeitern abgezogen. An der Spree sind nur noch Verwaltungsbereiche angesiedelt. Bundesweit beschäftigt Agrevo 2200 Mitarbeiter, weltweit sind es 9000.

Gute Chancen auf einen längeren Verbleib in Berlin haben offenbar nur die 50 Mitarbeiter der EDV-Abteilung. Weil diese Expertise sich nicht so schnell an einem anderen Standort aufbauen läßt, "wird die EDV wohl noch zwei bis drei Jahre in Berlin bleiben", sagte Betriebsrat Berndt. Er verwies aber darauf, daß sich die Agrevo-Geschäftsführung bei der Verlagerung der Forschungsbereiche vor zwei Jahren "ausgesprochen kooperativ" gezeigt habe. In der Konzernleitung heißt es nun, es würden "sozialverträgliche" Lösungen gesucht, Mitarbeitern sollen Arbeitsplätze in Frankfurt und Lyon angeboten werden. Schering hat bereits in den vergangen Monaten Mitarbeiter von Agrevo übernommen.

Noch ist die Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc allerdings nicht perfekt. Die endgültige Zustimmung der Aktionäre beider Konzern steht noch aus. Bei Hoechst findet die außerordentliche Hauptversammlung am 15. Juli statt.

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