Wirtschaft : Aidsbekämpfung: Erste Kooperation mit einem Pharmakonzern

ro

Zum ersten Mal kooperiert ein deutsches Pharma-Unternehmen mit dem Berliner Entwicklungshilfeministerium (BMZ) im Kampf gegen Aids. In Kenia, Tansania, Uganda und in Kürze auch in Südafrika wird Boehringer Ingelheim kostenlos das Medikament Viramune zur Verfügung stellen. Es soll die Übertragung des Virus von HIV-infizierten schwangeren Frauen auf ihre Kinder verhindern. Das BMZ wird in dem auf drei Jahre angelegten Pilotprojekt gleichzeitig dafür sorgen, dass Krankenschwestern entsprechend ausgebildet und die Ausstattung von Gesundheitszentren verbessert wird. Sechs Millionen Mark steuert das Ministerium bei, mehrere Millionen Mark der Pharmakonzern. "Das ist ein wichtiger Anfang", sagten Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Boehringer-Chef Rolf Krebs am Freitag in Frankfurt.

Mittlerweile hat sich Aids nicht nur nach Ansicht von Wieczorek-Zeul zu einer "dramatischen Bedrohung der Entwicklung in den armen Ländern" ausgeweitet. In Schwarzafrika leben 70 Prozent aller HIV-Infizierten. Allein dort haben sich im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Menschen neu angesteckt. Fast 80 Prozent aller Aids-Toten wurden in Afrika registriert. Zwölf Millionen Kinder haben weltweit seit Beginn der Epidemie ihre Eltern durch Aids verloren. Längst ist die Seuche auch eine Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung. In Südafrika gibt es Firmen, in denen 30 Prozent der Belegschaft HIV-infiziert ist. "Es gibt Unternehmen, die stellen für einen Arbeitsplatz gleich zwei Mitarbeiter ein, weil sie fürchten, dass einer an Aids stirbt", weiß Boehringer-Chef Krebs.

Sein Unternehmen hat sich deshalb entschlossen allen 49 armen Ländern Aids-Präparate kostenlos oder zu einem deutlich reduzierten Preis, der in der Regel nur die Herstellungskosten abdeckt, zur Verfügung zu stellen. "Wir investieren dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag", sagt Krebs. Bislang war eine Behandlung von Aidspatienten allein aufgrund der Kosten für Medikamente von 25 000 Mark pro Jahr in den armen Ländern unerschwinglich. Nachdem fünf internationale Pharmakonzerne die Preise um bis zu 90 Prozent senken wollen, steigen die Chancen, den Aids-Infizierten auch in Afrika helfen zu können. Bislang hat Boehringer Ingelheim mit fünf Ländern in Schwarzafrika und in Lateinamerika Verträge über kostenlose oder deutlich verbilligte Abgabe von Aids-Medikamenten getroffen. Mit anderen Ländern gestalten sich die Gespräche schwierig, weil es bürokratische Probleme oder andere, mitunter auch kulturell bedingte Schwierigkeiten gibt. Manche Regierungen leugnen auch das Problem.

Das Projekt mit dem BMZ soll Boehringer helfen, solche Probleme zu überwinden. Nur über das BMZ, die Weltbank, die UN oder auch die Weltgesundheitsorganisation WHO könne man den Zugang finden. Das BMZ wiederum weiß, wie Wieczorek-Zeul betont, dass das Aids-Problem ohne die Hilfe der Industrie nicht wirksam bekämpft werden kann. "Ganz entscheidend sind die Beiträge der Wirtschaft." Das Projekt mit Boehringer soll deshalb nur ein Anfang sein. Es betrifft zunächst rund 85 000 Frauen in Kenia, Tansania und Uganda. "Die Zahl wird aber schnell in die Millionen gehen", glaubt Wieczorek-Zeul. Das BMZ selbst gibt im laufenden Jahr mehr als 140 Millionen Mark für den Kampf gegen Aids in den Entwicklungsländern aus. Dabei geht es in den Projekten, die von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) umgesetzt und von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert werden, neben Aufbau und Verbesserung der Gesundheitseinrichtungen sowie der Bereitstellung günstiger Medikamente besonders auch um Aufklärung und Prävention.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben