Air Berlin : 180 Millionen mehr für Kerosin

Air Berlin will trotz schwieriger Umstände in diesem Jahr aus der Verlustzone fliegen. Die Airline, die sich inzwischen verstärkt auch im Interkontinentalverkehr engagiert, steht vor einem erneuten Wandel.

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Kämpferisch. Joachim Hunold, seit 20 Jahren an der Spitze, will bis zu seinem 65. Geburtstag im September 2014 Air-Berlin-Chef bleiben.
Kämpferisch. Joachim Hunold, seit 20 Jahren an der Spitze, will bis zu seinem 65. Geburtstag im September 2014 Air-Berlin-Chef...Foto: Reuters

Berlin - Mit neuen Sparmaßnahmen und weiterem Wachstum will Air Berlin in diesem Jahr aus der Verlustzone kommen und ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern erzielen. Auf eine Größenordnung wollte sich der Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Joachim Hunold, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz unter Hinweis auf die zahlreichen Unwägbarkeiten allerdings nicht festlegen. Der Start ins neue Jahr war jedenfalls schwierig: So wurde Air Berlin als größter deutscher Anbieter von Flügen nach Ägypten und Tunesien von den Unruhen in Nordafrika besonders getroffen.

Kritikern, die gehofft hatten, dass er nach dem erneuten Verlust seinen Posten räumen müsse, nahm Hunold, der Air Berlin seit 20 Jahren führt, den Wind aus den Segeln. Sein Vertrag laufe bis zum 65. Geburtstag im September 2014, und er habe keine Hinweise, dass das Board of Directors das ändern wolle, sagte der Air-Berlin-Chef. Das Board umfasst bei der als britische PLC geführten Air Berlin drei Geschäftsführer und sieben Aufsichtsräte. Man habe alle Entscheidungen in den vergangenen Jahren einstimmig beschlossen, betonte Hunold.

2010 hatte Air Berlin, wie bereits berichtet, beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern ein Minus von 9,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Unterm Strich stieg der Verlust sogar von 9,5 Millionen auf 97,2 Millionen Euro. Dennoch zeigten sich Hunold und Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer selbstbewusst und gaben externen Faktoren die Schuld an dem miserablen Ergebnis. Ohne Flugstreichungen und Umwege wegen der Vulkanaschewolke im Frühjahr 2010, dem Fluglotsenstreik in Spanien und Personalengpässen bei der Deutschen Flugsicherung hätte man einen operativen Gewinn von 34,5 Millionen Euro erzielt, rechnete Hüttmeyer vor.

Mit der Prognose, 2011 vor Zinsen und Steuern wieder ein positives Ergebnis zu erreichen, bewege sich Air Berlin „auf sehr dünnem Eis“, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Da darf nicht mehr viel schieflaufen.“ Trotz des anerkannten Produktes habe es Air Berlin seit dem Börsengang nicht geschafft, zu einem auch wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen zu werden, und sei deshalb auch bei kleinen Krisen weitaus anfälliger als der Konkurrent Lufthansa.

Obwohl Air Berlin die zu Festpreisen gesicherte Treibstoffmenge nochmals erhöht hat, rechnet Hüttmeyer im laufenden Jahr mit Kerosin-Mehrkosten von 180 Millionen Euro. In welchem Umfang diese als Zuschläge an die Passagiere weitergegeben werden können, bleibt abzuwarten. Zusammen mit der neuen Luftverkehrsabgabe haben sich die Flugpreise auf einzelnen Strecken bereits um bis zu 16 Prozent erhöht. Weil der Durchschnittsumsatz pro Passagier dennoch um rund drei Euro auf 101,44 Euro sank, will Air Berlin versuchen, „wieder einen adäquaten Preis für das Produkt zu erzielen“. So wurde der Einstiegs-Mindestpreis für innerdeutsche Flüge bereits von 29 Euro auf 44,99 Euro erhöht. Damit liegt man immer noch deutlich unter dem neuen Einweg-Niedrigstpreis von 59 Euro des Marktführers Lufthansa. Mit dem Kostenreduzierungsprogramm Accelerate sollen im laufenden Jahr 100 Millionen Euro eingespart werden. Bei einer Ausmusterung von bis zu fünf der 169 Flugzeuge soll zugleich die Produktivität der verbleibenden Flotte steigen.

Air Berlin ist heute, gemessen am Volumen von 33,6 Millionen Passagieren pro Jahr, die sechstgrößte Fluggesellschaft Europas. Der Umsatz hat sich seit 2004 auch durch Zukäufe auf 3,7 Milliarden Euro gut verdreifacht. Doch nur 2006 und 2007 hat das Unternehmen seitdem einen Gewinn einfliegen können. Jetzt steht die Airline, die sich inzwischen verstärkt auch im Interkontinentalverkehr engagiert, vor einem erneuten Wandel.

Mit der für 2012 vorgesehenen Aufnahme in die Oneworld-Gruppe steigt man in eine der drei großen Allianzen auf und ist gerade dabei, das Langstreckenprodukt vom Touristenstandard auf internationales Geschäftsreiseniveau zu bringen. Aufschwung verspricht sich Air Berlin im laufenden Jahr auch durch die volle Integration der LTU zum 1. April.

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