Air Berlin : Air Berlin verzockt sich beim Kerosin

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ist beim Sprit-Einkauf unglücklich und legt rote Zahlen vor. Jetzt soll es aber aufwärtsgehen, glaubt Airline-Chef Joachim Hunold.

Kevin P. Hoffmann

Berlin - „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin. Kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin“. Selten passten die ersten Zeilen dieses flotten Songs, den Kunden seit Jahren in der Telefonwarteschleife zu hören bekommen, besser. Vor allem die Sache mit dem Kerosin dürfte den Air-Berlin-Managern zu Kopf gestiegen sein: Denn das Flugbenzin ist ein Hauptgrund dafür, warum Deutschlands zweitgrößte Airline in den ersten drei Monaten dieses Jahres seinen Verlust ausgeweitet hat.

Ausgerechnet im Juni und Juli 2008, als der Ölpreis ein Rekordhoch von 147 Dollar erreicht hatte, deckte sich Air Berlin mit langfristigen Kontrakten ein – in der Erwartung, dass sich der Ölpreis weiter in Richtung 200 Dollar bewegt. Dem war nicht so. Die Preise für Öl fielen seitdem auf fast ein Drittel, entsprechend verbilligte sich auch Kerosin. Erst Ende 2008 änderte Air Berlin seine Hedging-Strategie, wie man die Absicherung gegen Rohstoffpreisschwankungen nennt. Ab Juli dieses Jahres, ein Jahr nach dem Ölpreis-Rekord, dürften Air-Berlin–Flieger endlich wieder Sprit tanken, der günstiger ist als der im vergangenen Sommer.

„Die Kostenentwicklung im ersten Quartal 2009 resultiert größtenteils aus den Nachhalleffekten des Vorjahres“, te

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ilte Air Berlin am Donnerstag mit. Neben den Ausgaben für Kerosin, die gegenüber dem ersten Vorjahresquartal von 163 auf 174 Millionen Euro stiegen, belasteten auch die 2008 geschlossen Tarifabschlüsse die Zahlen. Für Löhne, Gehälter und Sozialabgaben zahlte die Airline 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr, 108 Millionen Euro. Dagegen drückte Air Berlin die Kosten beim Catering, Marketing und die Provisionen.

Unterm Strich vergrößerte sich das operative Minus um 27,3 Prozent von 59,6 Millionen auf 88,3 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rutschte von minus 68,6 auf minus 87,3 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 661 Millionen. Die Passagierzahl ging um 6,2 Prozent auf 5,5 Millionen zurück. Dies liege zum einen an der allgemeinen Krise, aber auch an dem Sondereffekt, dass die reisestarken Ostertage diesmal in den April fielen und nicht in das erste Quartal wie üblich. „Air Berlin hat sich in einem herausfordernden Umfeld besser als andere europäische Fluggesellschaften geschlagen. Wir konnten die Umsätze im Chartergeschäft vor allem auf Grund eines verbesserten Kapazitätsmanagements im Langstreckengeschäft steigern“, sagte Airline-Chef Joachim Hunold dazu am Dienstag.

Sein Optimismus speist sich auch aus der Tatsache, dass Air Berlin neue Firmenkunden gewinnen konnte. Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer sprach von einem „höherwertigen Kundenmix“. Außerdem profitiere die Airline indirekt von der Krise. „Wir haben den Eindruck, dass immer mehr Leute abwarten, ob sie in den kommenden Monaten noch einen Job haben“, sagte er. Die Fluggäste warten also ab und buchen ihren Flug später als vor einem Jahr. „Davon profitieren wir wegen unserer Tarifstruktur. Die Flüge sind bekanntlich teurer, je später man sie bucht“, sagte Hüttmeyer.

Für den Verlauf des weiteren Jahres sind die Manager zuversichtlich, dass nach dem ersten Quartal – das bei Airlines traditionell schlecht aussieht – das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abgeschlossen wird. Zum Beginn der Urlaubssaison sagte Hunold: „Es läuft bisher gut an“. Und auch die Kooperation mit der Charterfluggesellschaft Tuifly dürfte glücken. Mit einer Entscheidung der Kartellbehörden rechne er im Sommer.

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