Air Berlin : „Alles auf den Prüfstand“

Air Berlin kämpft mit dem Ölpreis, will die Tarife erhöhen und stellt die Langstrecke zur Disposition.

Juliane Schäuble
Joachim Hunold
Joachim Hunold. -Foto: ddp

Berlin - Flüge mit Air Berlin werden teurer. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft werde wegen stark gestiegener Treibstoffkosten „nicht umhinkommen“, höhere Preise zu verlangen, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse für das erste Quartal. Zudem plant das Unternehmen, unrentable Verbindungen aufzugeben und die Flugkapazitäten anzupassen.

„Wir schauen uns für den Winter alle Strecken an. Wir stellen die komplette Langstrecke auf den Prüfstand“, sagte Hunold. Eine Entscheidung sei in den nächsten drei bis vier Wochen zu erwarten. Auch das Cateringgeschäft werde überprüft. Der Umfang aller Einschnitte sei noch nicht absehbar, deshalb seien Entlassungen derzeit nicht geplant. Air Berlin beschäftigt insgesamt knapp 8500 Mitarbeiter, 2300 davon arbeiten in Berlin.

Für das Gesamtjahr nahm Air Berlin auch die bereits mehrfach gesenkte Gewinnerwartung ganz zurück. Das Unternehmen geht nun nur noch von einem positiven Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus. Harte Zahlen zu nennen, sei derzeit unseriös, sagte Hunold. Erst Ende März hatte die Fluggesellschaft ihr Ziel für den operativen Jahresgewinn auf 73 bis 120 Millionen Euro abgesenkt. Es werde nun schwieriger, diese Spanne zu erreichen, sagte Hunold.

„Wir müssen für die Treibstoffkosten des laufenden Jahres 80 Millionen Euro mehr veranschlagen, als wir dies noch im März getan hatten“, erklärte Hunold. Um von Preissprüngen künftig möglichst wenig zu spüren, hat Air Berlin nun 88 Prozent des erwarteten Treibstoffbedarfes für 2008 zu 840 Dollar je Tonne abgesichert. Im März waren es noch 74 Prozent zu 780 Dollar. Falls sich der Preis für die nicht abgesicherten 120 000 Tonnen Treibstoff um 100 Dollar je Tonne erhöhte, würde das Ebit um zusätzliche zehn Millionen belastet, sagte Hunold.

Die Anleger reagierten enttäuscht. Die Aktie des im Index kleinerer Werte S-Dax notierten Unternehmens fiel am Donnerstag um mehr als drei Prozent auf 7,20 Euro. „Das ist das sechste Mal in einem Jahr, dass Air Berlin seine Gewinnerwartung revidiert“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler dieser Zeitung. Bei anderen Fluggesellschaften passiere das vielleicht einmal im Jahr. „Dass das Unternehmen mit viel Tamtam eingeläutete Langstrecken so schnell wieder aufgibt, ist inkonsequent“, kritisierte der Analyst. Bei Air Berlin wirke vieles wie eine Bauchentscheidung, ein Profil des Unternehmens oder eine nachhaltige Strategie seien überhaupt nicht mehr zu erkennen.

Im ersten Quartal wies Air Berlin einen operativen Verlust von 67,7 Millionen Euro aus. Das Minus zu Jahresbeginn sei der „typische saisonale Verlauf“, sagte Finanzvorstand Ulf Hüttemeyer. Im Vorjahreszeitraum war es noch ein Minus von 85 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 654,5 Millionen Euro. Auch die Passagierzahl sei um elf Prozent gewachsen, sagte Hüttemeyer.

Der Finanzchef verwies jedoch auf den zunehmendem Wettbewerb auf den Langstrecken. „Absolut unzufrieden“ sei die Fluglinie mit den Strecken nach China. Hier machten sich die Tibet-Krise sowie die verschärften Visabestimmungen bemerkbar. Am Dienstag erst hatte Air Berlin bekannt gegeben, die vor vier Wochen eröffnete Strecke Düsseldorf-Schanghai künftig nur noch drei statt fünf Mal wöchentlich zu fliegen. Auch eine komplette Streichung schloss Hunold nun nicht mehr aus. Die Überprüfung des Langstrecken-Geschäftes sei aber unabhängig von dem geplanten Kauf der Ferienfliegers Condor. Air Berlin will die Thomas- Cook-Tochter bis 2010 übernehmen. Allerdings muss das Kartellamt noch grünes Licht geben. Am Donnerstag verlängerte die Behörde die Frist für ihre Prüfung erneut um zwei Monate bis zum 9. Oktober.

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