Wirtschaft : Air Berlin bald ohne eigene Flugzeuge

Nur noch 15 von 143 Fliegern sollen im Eigentum bleiben. Der Schuldenstand sinkt, Quartalsgewinn steigt.

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Schwund. Derzeit gehören nur noch 25 Flieger zum Eigentum von Air Berlin, die restlichen Maschinen gehören Leasingfirmen. Foto: Imago
Schwund. Derzeit gehören nur noch 25 Flieger zum Eigentum von Air Berlin, die restlichen Maschinen gehören Leasingfirmen. Foto:...Foto: IMAGO

Berlin - Bei Air Berlin gehen Schrumpfkurs und Ausverkauf des Tafelsilbers weiter. Bis Ende des Jahres dürfte nur noch einer von zehn Fliegern der gesamten Flotte der Airline tatsächlich selbst gehören. Auch stehe man in Verhandlungen über weitere Verkäufe von Unternehmensteilen, deuteten die Chefs am Donnerstag bei der Präsentation der Quartalszahlen an – allerdings ohne Details zu verraten. Der Kurs zeigt Erfolge, allerdings nicht so starke wie einst erhofft.

Ende des Jahres 2010 waren noch 169 Flugzeuge mit der rot-weißen Lackierung unterwegs. Seitdem ist die Berliner Fluggesellschaft auf hartem Sparkurs. Die wechselnden Manager strichen wenig rentable Strecken, entließen Mitarbeiter – 562 Vollzeitstellen fielen allein in diesem Jahr weg. Zum Ende des dritten Quartals 2013 gab es nur noch 145 Flieger in der Flotte. Und davon gehörten lediglich 25 Maschinen zum Eigentum der Airline. Der Rest gehört Leasinggesellschaften, bei denen Air Berlin die Maschinen dann mietet. Seit dem Stichtag (30. September) habe man bereits sieben weitere Maschinen verkauft, erklärte Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer. Ziel sei es, bis Ende des Jahres alle bis auf zehn bis 15 Flieger verkauft zu haben. Von dann noch 143 Fliegern insgesamt.

Das Management unter dem Österreicher Wolfgang Prock-Schauer wird zunehmend zum Verwalter fremder Sachwerte. Schon bei der letzten Hauptversammlung im Sommer in London hatten kritische Aktionäre besorgt gefragt, was ihnen denn überhaupt noch gehöre? Die Flieger nicht, die Firmenzentrale am Flughafen Tegel auch nicht: Dort ist die Airline seit jeher nur Mieterin. Vor einem Jahr hatte Air Berlin dann überraschend das Vielfliegerprogramm Topbonus an den arabischen Großaktionär Etihad Airways verkauft. Finanzchef Hüttmeyer deutete am Donnerstag an, dass man derzeit in neuen Verkaufsverhandlungen stecke. Was genau versilbert werden sollte, wollte er nicht verraten, „um die Verhandlungen nicht zu gefährden“.

Im Management hält man diese Verkaufsstrategie für alternativlos – angesichts des hohe Schuldenstands von 812 Millionen Euro zum Ende des dritten Quartals. Das waren 41 Millionen weniger als vor einem Jahr, das einst ausgegebene Ziel, die Schulden auf 500 Millionen Euro zurückzuführen, werde jedoch auch im Gesamtjahr nicht erreicht, hieß es. Das gelte auch für das Ziel, im Gesamtjahr operativ eine schwarze Null zu schreiben, hieß es. Immerhin sei der Plan, die laufenden Kosten um 200 Millionen Euro in diesem Jahr zu senken, bereits „zu 100 Prozent abgesichert“.

Unterm Strich flog Air Berlin im dritten Quartal einen Umsatz von 1,35 Milliarden Euro ein. Das waren 3,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings waren ja Strecken gestrichen, Flieger abgegeben worden. So blieb die Auslastung in den verbleibenden Maschinen mit gut 87 Prozent im Vergleich zu den Konkurrenten fast stabil. Prock-Schauer verwies auf den besonders heißen Sommer, der weniger Gäste motiviert habe, ferner gelegene Sonnenziele anzufliegen. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 14 Prozent auf 116 Millionen Euro.

Im jüngsten Streit mit den Berliner Flughäfen nahm Prock-Schauer den Fuß vom Gas. Der Tagesspiegel hatte am Wochenende aus einem Brief der Anwälte der Flughäfen im Zusammenhang mit den Schadenersatzansprüchen Air Berlins zitiert. Air Berlin sieht sich durch die nicht erfolgte BER-Eröffnung geschädigt. Eine Aussage darin war: Air Berlin sei frei, seine Kapazitäten an jeden anderen Standort zu verlagern. „Natürlich hört kein Kunde gern, wenn es heißt, man könne ja gehen“, sagte Prock-Schauer am Donnerstag dazu. Allerdings habe Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn, sein Vorgänger bei Air Berlin, klargemacht, dass das nicht die Position der Geschäftsführung sei. Insofern sei man beruhigt.

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