Air Berlin : „Berlin ist unser Heimatflughafen“

Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn stichelt gegen die Offensive der Lufthansa – und schreibt das Jahr ab.

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Essen wie zu Hause. Bei einer Feier auf der Flughafenbaustelle Ende Oktober demonstrierte Air Berlin Lokalpatriotismus und reichte Currywurst. Foto: dpa
Essen wie zu Hause. Bei einer Feier auf der Flughafenbaustelle Ende Oktober demonstrierte Air Berlin Lokalpatriotismus und reichte...Foto: dpa

Reisefreudige Berliner können sich im kommenden Jahr auf einen Preiskampf der beiden größten deutschen Fluggesellschaften am neuen Großflughafen in Schönefeld freuen. Der neue Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hat am Donnerstag klargemacht, dass seine Airline auch nach Eröffnung von BER am 3. Juni 2012 die Marktführerschaft in der Hauptstadt unbedingt verteidigen will. „Das ist unser Heimatflughafen“, sagte er in Berlin anlässlich der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal.

Er reagierte damit auf Ankündigungen der Lufthansa von vergangener Woche. Der deutsche Marktführer hatte mitgeteilt, dass er die Zahl der in Berlin stationierten Maschinen von derzeit neun auf 15 aufstocken will, wodurch die Zahl der angebotenen Sitzplätze um 40 Prozent steigen soll. Auch will Lufthansa das Angebot der ohne Stopp ab Berlin erreichbaren Ziele massiv – von derzeit acht auf dann 38 – ausweiten. Damit käme Lufthansa zwar noch nicht an das Angebot der Air Berlin heran, die künftig 70 Non-Stop-Verbindungen ab Berlin anbieten will. Gleichwohl könnte die Lufthansa Air Berlin Marktanteile abjagen. Im Jahr 2010 hatte Air Berlin noch 7,1 Millionen Passagiere von und nach Tegel und Schönefeld befördert, was einem Drittel aller Fluggäste entsprach.

„Wir sind nicht entspannt und beobachten das sehr genau, sehen aber keinen Anlass, von unseren Ausbauplänen für Berlin abzurücken“, sagte Mehdorn. „Man muss ganz professionell akzeptieren, dass die auch nicht in der Ecke sitzen und Däumchen drehen.“ Das sei eben Wettbewerb, gab er sich betont gelassen – um dann die Ankündigungen des Wettbewerbers in Zweifel zu ziehen. „Warten wir mal, was da wirklich passiert. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

Berichte, wonach Lufthansa auf eine Billigstrategie für Berlin setzen will und eigens Leiharbeiter als Bordpersonal anheuert, kommentierte Mehdorn: „Also wir haben Verträge mit unseren Gewerkschaften und treten nicht an, diese zu brechen.“ Er deutete an, dass Arbeitnehmervertreter Lufthansas Berlin-Pläne noch vereiteln könnten.

So oder so kommt der Kampf der zwei Branchengrößen um den Standort für Air Berlin zur Unzeit, denn die Geschäftslage ist derzeit äußerst angespannt. „Das Jahr 2011 ist und wird kein gutes Jahr sein“, sagte der ehemalige Deutsche-Bahn-Chef zweieinhalb Monate nach seinem Amtsantritt. Für das Gesamtjahr werde man das operative Ergebnis des Vorjahres (Ebit) nicht erreichen. Damals hatte Air Berlin einen operativen Verlust von neun Millionen Euro verbucht, nach allen Steuern und Abschreibungen sogar ein Minus von 97 Millionen Euro.

Es wird also noch schlechter, auch die nun vorliegenden endgültigen Zahlen für das wichtige dritte Quartal, das die Sommerferien abdeckt, zeigen das: Darin verdiente Air Berlin operativ gut 30 Millionen Euro – im Vorjahresquartal waren es noch fast 136 Millionen gewesen. Der Umsatz stieg immerhin um starke elf Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro im Quartal. Die Aktie verlor am Donnerstag rund zwei Prozent.

Mehdorn führte das negative Ergebnis vor allem auf die Anfang des Jahres eingeführte Luftverkehrssteuer zurück. „Ohne die wären wir mit einem zehn Prozent besseren Ebit gekommen“, sagte er. Er forderte die Regierung auf, nicht erst im kommenden Jahr eine Abschaffung oder Änderung der Steuer zu prüfen. „Sie beschädigt den margenschwachen Luftverkehr in Deutschland“, sagte er.

Zugleich treibt Mehdorn das Sanierungsprogramm voran. 30 Arbeitsgruppen identifizierten derzeit „sehr konstruktiv“ Einsparpotenziale, mit denen das Ergebnis um 200 Millionen Euro im Jahr verbessert werden soll. Den konzernweit 8900 Mitarbeitern machte er ein wenig Hoffnung: Eine erste Prüfung habe ergeben, dass dort kaum Spielraum für Personalkürzungen sei. „Wir sind schon sehr schlank aufgestellt.“ Für einzelne Standorte wolle er einen Abbau aber nicht ausschließen.

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