Wirtschaft : Air Berlin darf LTU übernehmen Das Kartellamt genehmigt den Kauf ohne Auflagen

158493_1_xio-image-46ba01d97d102.jpg

Berlin - Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der Fluggesellschaft LTU durch Air Berlin genehmigt. Das Fusionsvorhaben sei ohne Nebenbestimmungen freigegeben worden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Air Berlin wird damit nach eigenen Angaben zum viertgrößten Anbieter von Flugreisen im Europa-Verkehr nach Ryanair, Air France/KLM und Lufthansa.

Zwar überschneide sich das Flugangebot der beiden Linien auf vielen Strecken auf denen beide zum Teil hohe Marktanteile haben, urteilte das Kartellamt. Dennoch sei damit keine marktbeherrschende Stellung verbunden, da die Wettbewerbsverhältnisse den Verhaltensspielraum von Air Berlin und LTU wirksam beschränken. „Das Angebot von Flugleistungen ist insgesamt so groß, dass auf einzelnen Strecken zumindest potenzieller Wettbewerb herrscht“, sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer. Einzelreisende könnten auch auf Billigfluglinien wie Ryanair, Easyjet und Germanwings ausweichen.

„Jetzt haben wir endlich die strategische Weichenstellung, die wir uns schon lange gewünscht haben“, sagte Air Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold. Durch die lange Prüfung seien allerdings Synergieeffekte verloren gegangen, die man gerne noch in diesem Jahr realisiert hätte. Bereits Ende März hatte Air Berlin die Übernahme angekündigt. Der Vertrag sieht einen Kaufpreis von 140 Millionen Euro sowie die Übernahme der LTU-Nettoschulden in Höhe von 190 bis 200 Millionen Euro vor. Dafür hatte Air Berlin eine Kapitalerhöhung vorgenommen und eine Wandelanleihe platziert – ein festverzinsliches Wertpapier, das zu einem vorher festgelegten Kurs in Aktien umgetauscht werden kann.

Ab 2008 hatte Hunold durch die Übernahme Kosteneinsparungen in Höhe von jährlich 70 bis 100 Millionen Euro erwartet. Ob dieses Ergebnis noch zu erreichen sei, hänge nicht unwesentlich vom Ergebnis der Tarifverhandlungen mit den LTU-Piloten ab. Diese haben sich, wie berichtet, am Montag für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Am Dienstag hatte Air Berlin mitgeteilt, dass man für das eigene Flugpersonal erstmals Tarifverträge abgeschlossen hat. Damit dürfte er auch die Wogen in den Tarifsverhandlungen bei LTU geglättet haben, die heute in die nächste Runde gehen.

Air Berlin habe damit ein Signal im Verhältnis zu den Mitarbeitern gesetzt, sagt Per-Ola Hellgren, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Es sei im Interesse der Gewerkschaften, die Forderungen am Ende nicht zu überziehen. Die Übernahme von LTU sei positiv für Air Berlin und gebe den Aktionären ein weiteres Stück Sicherheit.

LTU solle als selbstständiges Unternehmen und „auf absehbare Zeit“ auch als eigene Marke erhalten bleiben. Bereits die Winterflugpläne würden aber mit dem neuen Besitzer abgestimmt, sagte ein LTU-Sprecher. Während die A320-Kurzstreckenjets künftig in das Streckennetz von Air Berlin integriert werden, wird sich LTU künftig auf den Ausbau der Langstrecken konzentrieren. Dabei soll Berlin nach Düsseldorf und München das dritte Drehkreuz werden. Erst vor einem Monat hatte Air Berlin 25 neue Langstreckenjets vom Typ Boeing 787 gekauft. -du

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben