Air-Berlin : "Das Positive kommt kaum noch rüber"

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold über seine Aktionäre, den Kursrutsch der Aktie, die Übernahme von Condor und die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens.

Joachim Hunold
Joachim Hunold. -Foto: ddp

Herr Hunold, wie bewerten Sie das Interesse des US-Milliardärs Leonard Blawatnik an Air Berlin?

Positiv. Zumal es sich um einen über jeden Zweifel erhabenen Investor handelt, der offensichtlich Interesse an einem langfristigen Engagement hat.

Haben Sie schon Kontakt mit ihm oder seiner Investmentgesellschaft Access gehabt?

Ja, ich habe zwei reguläre Investorengespräche mit Herrn Blawatnik geführt. Davon habe ich einen sehr guten Eindruck mitgenommen.

Gibt es noch andere Interessenten?

Das wissen wir nicht.

Vor einem Jahr betrug der Börsenwert Ihres Unternehmens 1,3 Milliarden Euro. Jetzt sind es rund 500 Millionen Euro. Wie erklären Sie sich den Wertverfall?

Uns geht es da nicht anders als der ganzen Branche, die sehr volatil ist. Wir liegen im Trend. Aber wir sind ein relativ junges Unternehmen, man hat wenig Erfahrung mit uns. Deswegen trifft es uns besonders.

Ihr Unternehmen ist jetzt billig zu haben.

Ach, so einfach ist das doch auch nicht. Es ist nicht so, dass jemand eine halbe Milliarde auf den Tisch legt, und dann gehört ihm der Laden.

Spielt denn Ihre Kommunikation auch eine Rolle bei der Kursentwicklung?

Was heißt denn das? Wir bewegen uns hier in einem stark juristischen Umfeld. Wir sind der Auffassung, dass wir überall korrekt gehandelt haben. Wir haben immer korrekt kommuniziert. Wir machen das ja nicht so aus dem Bauch heraus.

Aber Sie haben Ihren Gewinnausblick für 2008 am vergangenen Montag geändert.

Nein! Wir haben gar keinen Gewinnausblick gemacht. Wir haben auch 2007 keinen Gewinnausblick für 2008 gemacht. Schauen Sie sich die Präsentation vom September auf unserer Website an. Wir haben ein Ziel definiert, aber wir haben keine Prognose abgegeben. Damals waren die Treibstoffkosten ganz anders.

Ist das nicht Wortklauberei? In der Präsentation steht doch, dass Sie in diesem Jahr 140 bis 160 Millionen Gewinn vor Steuern und Zinsen erzielen wollten.

Das war ein Ziel, keine Prognose. Dieses Ziel hatten wir uns gesetzt. In einem so volatilen Markt ist es aber schwierig, solche Angaben überhaupt zu machen, und deswegen waren wir ja auch vorsichtig.

Jetzt beziffern Sie den erwarteten Gewinn vor Steuern und Zinsen auf 73 bis 120 Millionen Euro. Ist das eine Prognose?

Nein, das ist auch keine Prognose. Wir haben einen Zielkorridor aufgezeichnet.

Was ist denn der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen?

Wenn Sie gesicherte Marktindizes haben, können Sie eine Prognose abgeben. Aber da wir im Moment zu viele Unsicherheiten haben, haben wir lediglich einen Zielkorridor aufgezeichnet.

Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Nein. Aber ich musste lernen, dass das Positive kaum noch rüber kommt. Wir haben das Geschäft innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Das muss einem erst einmal jemand nachmachen.

Und wie wollen Sie das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen?

Indem wir umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Überlegen Sie doch mal: Wir haben ein Riesenprogramm hingelegt. Dass es bei so einer großen Übernahme wie der LTU Probleme gibt, ist so ungewöhnlich nicht.

Eigentlich wollen Sie jetzt die Rentabilität steigern, aber mit der Übernahme der Condor haben Sie schon wieder so ein großes Projekt vor sich. Können Sie ähnliche Probleme wie bei LTU ausschließen?

Bei der Condor soll das ja erst im Februar nächsten Jahres passieren. Bis dahin ist die LTU längst voll integriert. Und wir lernen aus der Erfahrung. Die dba konnten wir problemlos integrieren, bei der LTU war alles ein bisschen komplexer.

Ist das bei der Condor nicht noch komplexer? Ist das Buchungssystem kompatibel?

Das ist weitgehend kompatibel. Das Hauptproblem bei der LTU war ja, dass wir mit einer früheren Genehmigung gerechnet hatten. Solange die nicht vorlag, durften wir in die Planung gehen, aber nicht in die Umsetzung. Als der Prozess verlängert wurde, mussten wir die ganze Planung revidieren. Das wird bei der Condor ja nicht so sein. Wenn das Kartellamt im Juni seine Entscheidung bekannt gibt, kann man den nächsten Sommer planen.

Eine neuerliche Verzögerung beim Kartellamt würde schwierig?

Nein, da ist genug Zeit.

Rechnen Sie mit einer Zustimmung?

Das kann man nie sagen. Es scheint bei der Condor etwas komplexer zu sein, als es bei der LTU war. Deswegen sind wir ja im Dialog mit dem Kartellamt. Das müssen wir jetzt abwarten.

Welche Themen werden denn da jetzt noch zusätzlich geprüft?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich über das laufende Verfahren nicht plaudern möchte.

Vor einem halben Jahr haben Sie erklärt, Thomas Cook solle für Condor mindestens 500 Millionen Euro in Aktien und in bar erhalten. Ist diese Aussage noch haltbar?

Das ist ein sehr komplexer Vorgang, weil der Kaufpreis auch abhängig ist von der Kassenposition der Condor. Da gibt es einen Wechselmechanismus. Natürlich hängt es auch vom Aktienkurs ab, wie viele Anteile Thomas Cook erhält.

Dann könnte es also sein, dass Thomas Cook einen größeren Anteil an Air Berlin erhält als die geplanten knapp 30 Prozent?

Nein. Der Anteil wird 29,9 Prozent nicht überschreiten. Der Übernahmeprozess beinhaltet immer wieder Verhandlungen. Alles hängt daran, wie das Kartellamt entscheidet und in welcher Größenordnung es entscheidet.

Es muss also in Abhängigkeit vom Aktienkurs womöglich nachverhandelt werden?

Nachverhandeln würde ich nicht sagen. Wir haben in unseren Verträgen Prozesse definiert, und die werden wir zur Anwendung bringen.

Thomas Cook soll im Board von Air Berlin vertreten sein. In welcher Stärke?

Mit einem Executive Director und zwei Non-Executive Directors, also mit einem Vorstand und zwei Aufsichtsräten.

Was wiegt eigentlich mehr: dass Sie künftig bei Condor den Ton angeben oder dass Thomas Cook künftig als größter Einzelaktionär bei Air Berlin den Ton angibt?

Ich habe nicht den Eindruck, dass Thomas Cook das anstrebt. Das passt auch nicht zu deren Strategie. Thomas Cook will sich vor allem mehr Flugkapazitäten sichern. Das Aktienrecht sieht nicht vor, dass ein Aktionär, auch mit einem großen Anteil, das Unternehmen bestimmt.

Wenn das mit Condor klappt, ist das externe Wachstum erstmal beendet?

Ich sehe nirgendwo einen Ansatz, um mit weiteren Akquisitionen zu wachsen. Alitalia sollen andere machen.

Wann werden Sie den Aktionären eine Dividende zahlen?

Das müssen wir vom Ergebnis abhängig machen. Wir haben gesagt, dass wir in den ersten drei Jahren nach dem Börsengang keine Dividende zahlen, sondern alle Erträge investieren. Im Grundsatz ist es so, dass ein Aktionär Anspruch auf eine Dividende hat. Das wird auch bei Air Berlin bald so sein.

Sie werden der Hauptversammlung keine Dividende für 2007 vorschlagen?

Das ist richtig.

Wollen Sie weitere Strecken streichen, um die Rentabilität zu steigern?

Wir haben bereits das Drehkreuz in London-Stansted und mehrere Strecken gestrichen, unter anderem München-Bremen, Dresden-München und die LTU- Routen nach San Francisco, Las Vegas, Madrid und Lissabon sowie auf anderen Strecken die Frequenzen verringert. Im Moment sehe ich keinen weiteren Handlungsbedarf.

Wann müssen sich die Verbindungen von Düsseldorf nach Peking und Schanghai rechnen?

Nach einem Jahr sollte die Gewinnzone in Sicht sein. Die Nachfrage ist im Business-Class-Bereich sehr stark, ich bin also zuversichtlich. Wichtig für uns ist, dass wir mit Hainan Airlines einen Partner in China haben.

Wann rechnen Sie eigentlich mit der Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg International?

Der Flughafen plant nach wie vor mit 2011. Ich beteilige mich ungern an Spekulationen.

Auch nicht, wenn Sie von der Konkurrenz kommen? Easyjet spricht von 2013.

Ich weiß nicht, wo die ihre Informationen herhaben. Ich gehe von dem aus, was mein Vertragspartner sagt. Ich habe keinerlei Anzeichen dafür, dass der Flughafen erst später geöffnet werden kann.

Können Sie etwas zum Stand der Ermittlungen gegen Sie sagen?

Wir haben jetzt Akteneinsicht bekommen. Uns fehlen noch Protokolle von Zeugenaussagen, aber ich bin zuversichtlich. Wir haben keine Erkenntnisse, dass sich der Anfangsverdacht erhärten könnte. Ich habe damals nur deswegen Aktien gekauft, um dem Markt zu zeigen, dass ich an das Unternehmen glaube. Ich konnte nicht vorher kaufen, weil ich die Quartalszahlen abwarten musste. Am ersten Tag danach habe ich gekauft, das haben wir auch gleich veröffentlicht – weil es ein Signal an den Markt sein sollte. Mit Insiderhandel hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Das Gespräch führte Moritz Döbler.

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