Wirtschaft : Air Berlin fliegt nach Plan

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft bekräftigt ihre Prognose: 2006 wird Gewinn geschrieben

Bernd Hops

Berlin - Die gestiegene Terrorgefahr schreckt die Menschen nicht vom Fliegen ab. Am Donnerstag veröffentlichte Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, Verkehrszahlen für den August. In dem Monat stieg die Zahl der Passagiere im Vergleich zum August des Vorjahres um 12,9 Prozent auf gut 1,6 Millionen. Seit Januar 2006 beförderte Air Berlin 10,1 Millionen Menschen – ein Zuwachs von 13 Prozent. „Wir sind gut im Plan“, sagte Unternehmenssprecher Peter Hauptvogel dem Tagesspiegel. Man halte an den Prognosen für dieses Jahr fest. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hatte für das Gesamtjahr einen „deutlich positiven“ Gewinn in Aussicht gestellt, obwohl im ersten Quartal noch ein Verlust angefallen war.

Air Berlin ist bisher auch stärker gewachsen als die Branche in Deutschland insgesamt. Laut statistischem Bundesamt flogen im ersten Halbjahr 6,3 Prozent mehr Menschen von deutschen Flughäfen ab als im Vorjahreszeitraum. Wie die Statistiker in Wiesbaden mitteilten, ist das ein Plus von 2,5 Millionen auf 41,8 Millionen Fluggäste. Besonders stark stieg das Flugaufkommen innerhalb Europas und nach Asien.

Im zunehmenden Verkehr spiegelt sich der positive Effekt der Fußball-WM und der anhaltende Boom der Billigflieger wie Air Berlin. Easyjet, die größte europäische Billigfluglinie, verzeichnete im August ebenfalls ein Plus bei den Passagieren. Die Zahl stieg um 8,4 Prozent auf 3,1 Millionen. Über die vergangenen zwölf Monate insgesamt lag der Zuwachs bei 12,1 Prozent auf 32,7 Millionen Menschen. Im August hatten die gerade noch vereitelten Anschläge auf Maschinen, die vom Londoner Flughafen Heathrow starten sollten, zu großen Problemen auf dem britischen Heimatmarkt von Easyjet geführt. 469 Flüge musste der Billigflieger daraufhin annullieren. Trotzdem erwartet das Unternehmen ein Plus von 40 bis 50 Prozent beim Gewinn vor Steuern im Geschäftsjahr, das mit dem September endet.

Weniger stark, aber immer noch deutlich wuchs im August die Passagierzahl beim größten europäischen Luftfahrtkonzern Air France-KLM – mit plus 4,7 Prozent auf 6,3 Millionen.

Stefan Schöppner, Luftfahrtanalyst bei der Dresdner Bank, schätzt die weiteren Aussichten für die Branche gut ein. „Die Erwartungen sehen rosarot aus“, sagte er dem Tagesspiegel. Da aber alle mit weiterem Wachstum rechnen würden, sei das Risiko für Anleger, die jetzt einsteigen wollen, relativ hoch. Besonders die Aktienkurse von den größten Billigfliegern Easyjet und Ryanair seien bereits gut gelaufen. Weniger Sorgen müsse man sich wegen möglicher Rückschläge durch Terrorakte machen. Die Menschen würden sich offenbar von Terroristen nicht in ihrer Freiheit beschneiden lassen wollen. Dies zeigten die Verkehrszahlen. Doch die konjunkturellen Aussichten seien gemischt, der Ölpreis bleibe auch mittelfristig hoch. Und viele Fluggesellschaften bauen Kapazitäten auf. Von den neuen Flugzeugen wie dem Riesenjumbo A380 würden die Kunden durch sinkende Preise mehr profitieren als die Fluglinien, schätzt Schöppner.

Die Reaktionen an den Börsen waren am Donnerstag auch zurückhaltend. Die Aktie von Air Berlin gab 0,9 Prozent auf 11,99 Euro ab. Die Papiere von Easyjet verbilligten sich in London um 3,9 Prozent auf 4,49 Pfund.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben