Wirtschaft : Air Berlin fliegt tiefer ins Minus

Umsatz und Auslastung steigen dagegen weiter.

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Berlin - Fast auf den Tag genau vor einem Jahr löste Hartmut Mehdorn seinen Vorgänger Joachim Hunold als Chef von Air Berlin ab. Und seither hat der ehemalige Bahn-Chef die Kosten bei Deutschlands zweitgrößter Airline immer besser in den Griff bekommen. Und doch langt es nicht: Im zweiten Quartal ist Air Berlin tiefer in die roten Zahlen geflogen, da externe Kosten wie etwa Kerosinpreise sich höchst ungünstig entwickeln.

Der Nettoverlust erhöhte sich im zweiten Quartal auf 66,2 Millionen Euro nach 43,9 Millionen Euro Fehlbetrag im Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen am Mittwochabend nach Börsenschluss mit – eine Woche früher als angekündigt. Der Umsatz des Lufthansa-Konkurrenten stieg um 1,7 Prozent auf 1,135 Milliarden Euro. Das gelang obwohl Air Berlin die Zahl seiner Sitzplätze zugleich um 5,8 Prozent abbaute. Somit stieg die Auslastung deutlich – ein gewünschter Effekt des Sparprogramms „Shape & Size“, mit dem Mehdorn die über Jahre aufgeblähte Gesellschaft auf ein gesundes Maß zurechtstutzen will. „Durch die gezielte Flottenreduzierung sind wir in Zukunft nicht mehr in einem hohen Maße von saisonalen Schwankungen betroffen“, erklärte Mehdorn in einer Mitteilung. „Auch investieren wir in den Ausbau der Langstrecken, um die Ertragssteigerung weiter zu erhöhen und wie geplant im nächsten Jahr in die Gewinnzone zu fliegen“. Es wäre das erste Mal seit Jahren.

Das Programm, mit dem Air Berlin interne Strukturen straffen will, haben im zweiten Quartal etwas besser gegriffen, als erwartet, hieß es. Statt 45 habe man 50 Millionen einsparen können. Dadurch habe man die ansteigenden externen Belastungen durch den gestiegenen Kerosinpreis, den Dollarkurs und die Luftverkehrssteuer auffangen können. So sei der betriebliche Aufwand infolge des Ölpreisanstiegs nur um 2,5 Prozent gestiegen, während die Kerosinkosten trotz Kapazitätsreduzierung um über zehn Prozent zulegte. Das heißt: Air Berlin kann nicht so schnell sparen, wie der Spritpreis steigt.

Entlastung bringt ein neuer Millionenkredit des größten Aktionärs Etihad, der Ende 2011 mit fast 30 Prozent eingestiegen war. Die Staatsairline aus dem Emirat Abu Dhabi gewährte den Berlinern Ende Juni noch einmal knapp 163 Millionen Euro, hieß es. Kevin P. Hoffmann

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