Wirtschaft : Air Berlin gegen Kerosinsteuer Firmenchef Hunold: Das vernichtet Arbeitsplätze

Flora Wisdorff

Berlin - Der Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, befürchtet bei der Einführung einer europaweiten Kerosinsteuer den Verlust von Arbeitsplätzen. „Das würde sich in den Preisen niederschlagen, am Ende zahlt der Verbraucher. Wenn ich das Fliegen teurer mache, können aber weniger Leute fliegen, also werden Arbeitsplätze vernichtet, das ist doch logisch", sagte Hunold dem Tagesspiegel am Mittwoch.

Einige Finanzminister der führenden Industrienationen (G7) hatten vergangene Woche erneut vorgeschlagen, in Europa eine Kerosinsteuer einzuführen – um zusätzliche Mittel für die Entwicklungshilfe aufzubringen. Bisher ist Flugbenzin weltweit von Steuern ausgenommen. Vor allem aus umweltpolitischen Gründen waren immer wieder Forderungen nach der Kerosinsteuer laut geworden, auch Rot-Grün will sich schon seit langem in Brüssel dafür stark machen.

Der derzeitige Vorsitzende des EU-Rates, der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker, hat angekündigt, das Thema auf die Agenda des nächsten Treffens der EU-Finanzminister zu setzen. Allerdings sind die Aussichten für die Steuer eher schlecht. Denn die EU-Kommission, die den Gesetzesvorschlag vorlegen müsste, findet, dass die Steuer nur auf globaler Ebene Sinn macht. „Drittländer müssten den Schritt ebenfalls angehen“, sagte der Sprecher von Verkehrskommissar Jacques Barrot dem Tagesspiegel. „Wir finden, dass man das in einer globalen Perspektive sehen muss.“ Die USA sind jedoch dagegen. Eine europaweite Steuer würde einen Nachteil der EU-Fluglinien gegenüber den USA und Asien bedeuten.

Das meint auch Joachim Hunold: Er beklagt bei der möglichen Einführung einer EU-weiten Kerosinsteuer den „eklatanten Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA". Auch Air Berlin, die nur in der Kurz- und Mittelstrecke fliegen, hätten ein Problem. Derjenige, der verreise, habe ein gewisses Budget. „Dann macht er lieber eine Langstreckenreise in die Dominikanische Republik, als mit uns nach Gran Canaria zu fliegen, wenn er hier einen Zuschlag zahlen muss". Es gilt als sicher, dass Langstreckenflieger bei einer nur in der EU geltenden Steuer außerhalb der EU tanken würden.

Hunold sieht zudem keinen Sachbezug zwischen Luftverkehr und Entwicklungshilfe. „Da sollten lieber die Waffenexporteure zur Kasse gebeten werden“, sagte er. Auch umweltpolitisch mache die Abgabe in seinen Augen keinen Sinn. Es gebe keine Industrie, die in den letzten Jahren durch neue Technik ihre Emissionswerte so stark zurückgefahren habe wie der Luftverkehr.

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