Air Berlin : Hartmut Mehdorn frisst Kreide

In einer Videobotschaft hat der neue Air Berlin-Chef die Mitarbeiter beruhigt: Jobabbau sei das "allerletzte Mittel". Außerdem teilte er mit, dass er länger als bisher angenommen in der Konzernspitze bleiben will.

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Hartmut Mehdorn will bei Air Berlin zunächst keine Stellen abbauen.Weitere Bilder anzeigen
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18.08.2011 11:10Hartmut Mehdorn will bei Air Berlin zunächst keine Stellen abbauen.

Berlin - Mit seinem Amtsantritt als neuer Chef bei Air Berlin hat Hartmut Mehdorn die Mitarbeiter der Fluggesellschaft auf härtere Zeiten eingestimmt. Zugleich versuchte der ehemalige Chef der Deutschen Bahn, die Belegschaft zu beruhigen – angesichts der „gewissen Schieflage“, in der Air Berlin stecke, wie er es ausdrückte. Er wisse, dass im Haus schon Diskussionen über Personalmaßnahmen herumgehen. „Diese kann man nie ganz ausschließen, aber lassen Sie mich Ihnen auch heute gleich zurufen: Personalmaßnahmen sind das allerletzte Mittel, das wir uns vorstellen können, wenn es um Verbesserungsmaßnahmen für das Unternehmen geht“, sagte Mehdorn in einem firmeninternen Onlinevideo, das am Donnerstag per E-Mail an die fast 9000 Mitarbeiter verschickt wurde.

Er bedankte sich bei seinem Freund und Vorgänger im Amt. „Es ist angebracht, Achim Hunold großen Respekt zu zollen für die Arbeit, die Leistung der letzten 20 Jahre.“ Er sei so, wie er war, einfach nicht zu ersetzen. „Ich werde nicht Achim Hunold sein, und ich kann das auch nicht sein. Wir werden also viele Dinge anders machen, anders anfassen“, fuhr Mehdorn fort.

An dem grundsätzlichen Geschäftsmodell will er nach eigenem Bekunden aber festhalten, erklärte er. Air Berlin gilt in der Branche als Hybrid-Fluggesellschaft, da sie Eigenschaften von etablierten Fluggesellschaften, Charter- und Billigfliegern vereint. „Hybrid ist zwar ein Wort, das ich nicht sehr schön finde“, sagte Mehdorn, „aber ich habe bisher nichts erkennen können, was uns von dem bisherigen Geschäftsmodell abbringen sollte. Ich glaube, wir sind gut aufgestellt.“ Bankanalysten hatten dieses Modell mehrfach kritisiert – zuletzt nach dem Rücktritt Hunolds vor gut zwei Wochen. Es falle Kunden und möglichen Anlegern schwer, die Marke Air Berlin einzuordnen, heißt es oft. Allerdings dürfte es dem Management unter Mehdorn auch schwerfallen, sich von diesem Geschäftsmodell zu trennen, da es gewachsen ist. Mehdorns Vorgänger hatte über 20 Jahre einige höchst unterschiedliche Fluggesellschaften wie LTU oder Niki unter einem Dach integriert.

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