Air Berlin : "Hunold sollte in Rente gehen"

Bei der Hauptversammlung der Fluggesellschaft Air Berlin üben Aktionärsvertreter scharfe Kritik an Unternehmenschef Hunold. Beobachter bezweifeln, dass die Airline schon 2011 Geld verdient.

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Meister der Ankündigung. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold will 2011 operativ und 2012 unterm Strich wieder Gewinne schreiben. Der Börse gefällt es – zeitweise. Foto: dapd
Meister der Ankündigung. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold will 2011 operativ und 2012 unterm Strich wieder Gewinne schreiben. Der...Foto: dapd

Berlin - Air Berlin befindet sich seit Monaten im Sinkflug: Der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft fällt und fällt – zuletzt unter die Marke von drei Euro. Mehr als 20 Euro kostete das Papier noch vor vier Jahren. Am Dienstag, dem Tag der Hauptversammlung, waren es zeitweise wieder 3,08 Euro. Wohlwollend hat der Markt zur Kenntnis genommen, dass die Passagierzahlen und die Kapazitätsauslastung seit Jahresanfang gestiegen sind und Air-Berlin-Chef Joachim Hunold in diesem und im kommenden Jahr „schwarze Zahlen“ schreiben will, wie er am Wochenende in einem Interview sagte. 2011 soll vor Steuern und Zinsen ein Gewinn stehen, 2012 dann auch unter dem Strich.

Beobachter haben jedoch Zweifel: „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Air Berlin schon 2011 operativ Geld verdient“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Dienstag dem Tagesspiegel. Auch Commerzbank-Analyst Johannes Braun nannte das Ziel in einer Studie „ambitioniert“. Nicht vergessen sind Ankündigungen Hunolds aus der Vergangenheit, aus denen später häufig nichts wurde. „Bei Air Berlin kommt immer irgendwas dazwischen: Ostern im falschen Quartal, ein Vulkanausbruch oder ein Krieg“, sagte Michael Kunert. „Andere Fluggesellschaften kommen besser über die Runden.“ Auch deshalb sei Air Berlin an der Börse ein Flop.

Die Hauptversammlung des Berliner Unternehmens, das die Rechtsform einer britischen Plc hat, fand auch in diesem Jahr weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Nähe von London statt – auf dem Flughafen Stansted. „Das ist ein unwürdiges Spiel für ein Unternehmen, das im deutschen S-Dax notiert ist“, kritisierte Kunert die Wahl des Veranstaltungsortes. Statt „Geisterhauptversammlungen“ im Ausland abzuhalten, solle sich Air Berlin in eine europäische Aktiengesellschaft umwandeln und seine Aktionäre nach Berlin einladen. Das Unternehmen hatte die Rechtsform mit der Begründung gewählt, die Investoren säßen in London und Air Berlin bekomme dort die größte Aufmerksamkeit.

Inzwischen kämpft die Airline nicht nur mit schwierigen Rahmenbedingungen (steigende Kerosinpreise, Flugausfälle nach Nordafrika), sondern auch mit hausgemachten Problemen. „Bei Air Berlin stimmt etwas grundsätzlich nicht, das Geschäftsmodell ist ein Mischmasch“, sagte SdK-Vertreter Kunert. So sei die Integration der zugekauften Gesellschaften LTU und dba nicht geglückt, Air Berlin sei zu schnell gewachsen und habe sich mit einer Riesenflotte an zusätzlichen Flugzeugen übernommen. Der Beitritt zur Oneworld-Allianz unter anderem mit American Airlines, British Airways und Iberia komme 2012 viel zu spät. Nun versuche Air Berlin, gestiegene Kosten mit steigenden Ticketpreisen aufzufangen. Gerade auf der europäischen Kurzstrecke stehe Air Berlin aber im harten Wettbewerb mit der Lufthansa, gibt Analyst Braun zu bedenken. Es sei daher schwierig, höhere Treibstoffkosten an die Kunden weiterzureichen.

Joachim Hunold bezeichnete Air Berlin auf der Hauptversammlung hingegen als „technisch, personell und strategisch gut aufgestellt“, wie es in einer Mitteilung hieß. Ein positives operatives Ergebnis könne erreicht werden, „wenn die Rahmenbedingungen beherrschbar bleiben“. 100 Millionen Euro wolle Air Berlin mit seinem Effizienzprogramm allein in diesem und im kommenden Jahr einsparen.

Aktionärsvertreter Kunert hält all dies für nicht ausreichend und plädiert für eine Restrukturierung der Fluggesellschaft – mit einem neuen Chef an der Spitze. „Hunold zieht alles an sich, aber dafür ist Air Berlin zu groß geworden.“ Der Gründer und Vorstandschef solle „in Ehren freiwillig in Rente gehen – bevor er von den Eigentümern dazu aufgefordert wird.“

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