Wirtschaft : Air Berlin muss länger auf Condor warten Kartellamt verlängert offenbar Frist für Prüfung

Juliane Schäuble

Berlin - Das Bundeskartellamt hat offenbar größere Bedenken gegen die Übernahme des Ferienfliegers Condor durch Air Berlin. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Bonner Behörde die Prüfung für den Verkauf erneut verlängere, sagte der Finanzvorstand der Condor-Mutter Thomas Cook, Ludger Heuberg, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Air-Berlin-Sprecherin Claudia Löffler äußerte sich ähnlich: „Wir können nicht ausschließen, dass es zu einer Fristverlängerung kommt“, sagte Löffler. Beim Kartellamt war am Donnerstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Behörde hat die ursprünglich bis November 2007 reichende Frist schon zweimal verlängert, zuletzt bis Anfang Juni. Die Wettbewerbshüter haben Bedenken, dass Air Berlin durch die Übernahme von Condor eine marktbeherrschende Stellung auf Langstreckenflügen für Touristen erreicht. Um für einen negativen Bescheid gewappnet zu sein, sucht Thomas Cook derzeit nach Alternativen für Condor. Aber trotz der Hängepartie sei ein Verkauf an Air Berlin die bevorzugte Lösung. Es sei nach wie vor ungewiss, ob der Verkauf an Air Berlin tatsächlich stattfinden könne, sagte Heuberg von Thomas Cook. Der Konzern will sich von der Charterfluggesellschaft, an der er rund 75 Prozent hält, trennen. „Eine andere Heimat wäre für Condor besser“, sagte Heuberg.

Geplant ist, dass die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft im Februar 2009 die Condor-Anteile von Thomas Cook übernimmt. Die restlichen 25 Prozent, die noch beim früheren Eigentümer Lufthansa liegen, sollen 2010 folgen. Dafür erhält Thomas Cook knapp 30 Prozent an Air Berlin. Scheitert dies jedoch an den Wettbewerbshütern, könnte Condor als Partner für Tuifly und Germanwings, die seit längerem an einer Fusion basteln, wieder interessant werden. Allerdings hatte Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow vor kurzem ausgeschlossen, dass Air Berlin zu der Allianz hinzustößt.

Die Aktie von Air Berlin stieg am Donnerstag um 3,7 Prozent. Aber auch Lufthansa-Papiere lagen leicht im Plus. „Eine weitere Verzögerung hätte für Air Berlin derzeit noch keine direkten Auswirkungen, da die Übernahme ja erst 2010 abgeschlossen sein soll“, sagte Per-Ola Hellgren, Luftfahrtexperte bei der Landesbank Baden- Württemberg. Dass die Anleger auf ein mögliches Scheitern der Kaufpläne setzen, glaubt der Analyst nicht. „Das würde die Strategie Air Berlins weiter einengen, auf diesem Weg zu wachsen und profitabler zu werden.“ Dann müsste die Fluggesellschaft das mit den derzeitigen Mitteln schaffen. „Und damit hat Air Berlin ja momentan ein Problem.“ Juliane Schäuble

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