Wirtschaft : Air Berlin setzt dba unter Druck

Vorstandschef Hunold fordert von der neuen Tochtergesellschaft vor allem niedrige Kosten.

Moritz Döbler

Berlin - Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin setzt ihre gerade erworbene Tochter dba unter Leistungsdruck. „Wenn man günstig produziert, bekommt man auch Aufträge“, sagte Air- Berlin-Chef Joachim Hunold am Montagabend vor dem Club Berliner Wirtschaftsjournalisten. Die beiden Unternehmen sollten getrennt fortbestehen, auch wenn die Marke dba bis Ende März 2007 weitgehend verschwinde. „Die dba ist tarifgebunden, und ich wollte mir nicht durch die Hintertür die Gewerkschaft ins Haus holen.“ Für Freitag sei ein Treffen mit den Abteilungsleitern der dba geplant, in dem die Vorgaben besprochen würden.

Hunold lehnt die gewerkschaftliche Mitbestimmung kategorisch ab. Darum hatte er Air Berlin im Mai als britische Plc und nicht als deutsche Aktiengesellschaft an die Börse gebracht. Seine Personalkosten liegen deutlich unter denen seiner Konkurrenten. Nach Hunolds Worten wird derzeit nicht an eine Verlagerung von Arbeitsplätzen der dba in München zu Air Berlin nach Berlin gedacht. Bei der Integration von dba erwartet Hunold keine Probleme. Die neue Tochter bringe – neben den wertvollen Start- und Landerechten – 62 Firmenverträge ins Haus, sodass Air Berlin nun mit insgesamt 330 Unternehmen Geschäftskundenbeziehungen habe.

In der vergangenen Woche hatte Air Berlin den Kauf der dba für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bekannt gegeben. Der Aktienkurs machte einen Sprung, blieb aber unter dem Ausgabepreis von zwölf Euro. Am Dienstag notierte der Titel bei 10,78 Euro.

Auch nach der Übernahme der dba will Air Berlin eine gemischte Flotte aus Boeing- und Airbus-Maschinen unterhalten. „Es deutet vieles darauf hin, dass wir bei einer Zwei-Flotten-Strategie bleiben“, sagte Hunold. Airbus forderte er auf, den A 320 zu modernisieren. „Da muss die nächste Generation kommen, die noch spritsparender ist.“ Ein Einstieg ins Langstreckengeschäft stehe ebenso wenig zur Debatte wie die Aufstockung des 24-prozentigen Anteils an der Fluglinie Niki des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda.

Die Pläne für den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) bezeichnte Hunold als angemessen. „Die Zeiten der goldenden Wasserhähne und des Marmors sollten vorbei sein.“ Für Berlin sei der Ausbau des Flughafens von überragender Bedeutung. „Auf lange Sicht wird das eine Touristik- und Event-Stadt mit Hauptstadtbonus, und das muss man ausbauen.“

Hunold, der auch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften ist, kritisierte die von der Bundesregierung geplante Privatisierung der Deutschen Flugsicherung scharf. Das Vorhaben sei rein fiskalisch motiviert. Der Bund wolle sich über den Verkauf von 75 Prozent seiner Anteile versteckte Steuereinnahmen verschaffen. „Wir haben diese Privatisierung nicht gewünscht, weil wir das für eine hoheitliche Aufgabe halten“, sagte Hunold. Um die Kosten stabil zu halten, müssten Airlines und Flughäfenbetreiber sich notgedrungen am Bieterprozess beteiligen. An dem Konsortium werde auch „der eine oder andere Finanzinvestor“ beteiligt.

Der Bundestag hatte die Privatisierung der Deutschen Flugsicherung beschlossen. Allerdings gibt es dagegen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Bundespräsident Horst Köhler zögert mit der Unterzeichnung des Vorhabens und will weitere Stellungnahmen prüfen.

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