Wirtschaft : Air Berlin startet billig

Aktie zweifach überzeichnet / Analysten erwarten Kursgewinne

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Berlin – Air Berlin startet mit billigeren Aktien an die Börse als erwartet. Das Papier werde am heutigen Donnerstag für zwölf Euro ausgegeben, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Mittwochabend mit. Der Preis liegt am unteren Ende der Spanne von 11,50 bis 14,50 Euro, zu der Anleger das Papier zeichnen konnten. Händler hatten mit etwa 13 Euro gerechnet. Die Aktie sei zweifach überzeichnet, teilte das Unternehmen mit. Das gilt bei Experten als Untergrenze eines geglückten Börsengangs. Vorstandschef Joachim Hunold sprach dennoch von einem Erfolg. „Wir werden nun unsere Wachstumsstrategie ohne Abstriche umsetzen.“

Dem Unternehmen fließen damit knapp 195 Millionen Euro zu. Der Rest des etwa doppelt so hohen Gesamterlöses geht an die Altaktionäre und wird für die Kosten des Börsengangs sowie die umstrittene Werbekampagne mit dem ZDF-Moderator Johannes B. Kerner aufgewandt. Ursprünglich hatten bis zu 400 Millionen Euro in das Unternehmen fließen sollen.

Vorbörslich waren die Anteile der zweitgrößten deutschen Airline zuletzt zwischen 13 und 14 Euro gehandelt worden – der Markt ist also von Kursen über dem Ausgabepreis ausgegangen. Ursprünglich hatte die Aktie zwischen 15 bis 17,50 Euro kosten sollen. Weil die Nachfrage aber zu gering war, hatte Air Berlin den zunächst für vergangenen Freitag geplanten Schritt an die Börse verschoben. Analysten bewerten den Preis als sehr günstig. „Man kann die Anleger, die Aktien gezeichnet haben, beglückwünschen“, sagte Uwe Weinreich, Luftfahrtexperte bei der Hypo-Vereinsbank, dem Tagesspiegel. Die Grunddaten des Unternehmens sprächen für Kursgewinne in den kommenden Wochen und Monaten.

„Offenbar war die Panik so groß, dass man den Preis weiter als nötig gesenkt hat“, sagte dagegen Florian Weber von der Wertpapierhandelsbank DKM. Er rechne mit einem Einstandskurs von 13 Euro oder leicht darüber. „Mittelfristig sehe ich allerdings eher eine Seitwärtsbewegung.“ Allenfalls zum Jahresende könne der Kurs auf 16 bis 17 Euro steigen. Das Bankhaus Metzler hatte ein Kursziel von nur zwölf Euro ausgegeben.

Die Aktie des Chemiekonzerns Wacker war beim bislang größten Börsengang des Jahres 18-fach überzeichnet, ihr Wert liegt heute fast 50 Prozent über dem Ausgabekurs. stek

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