Air Berlin : Trotz neuem Dienstleister herrscht am Flughafen Tegel weiter Chaos

Am Flughafen Tegel gibt weiterhin Probleme mit dem Bodendienstleister von Air Berlin. Das macht nicht nur der angeschlagenen Fluggesellschaft zu schaffen, sondern dem Airport insgesamt.

Rainer W. During
Flughafen Tegel. Air Berlins Probleme mit dem Bodendienstleister belasten den gesamten Airport.
Flughafen Tegel. Air Berlins Probleme mit dem Bodendienstleister belasten den gesamten Airport.Foto: AFP/John Mc Dougall

Knapp zwei Monate, nachdem Air Berlin den Dienstleister für die Flugzeugabfertigung gewechselt hat, läuft der Verkehr in Tegel noch immer nicht rund. Auch am Montag kam es zu Verspätungen. Die Airline muss zusätzliches Personal zur Bearbeitung der Kundenbeschwerden abstellen. Die Flughafengesellschaft als Lizenzgeber für die Bodenverkehrsdienste hat das Abfertigungsunternehmen Aeroground jetzt abgemahnt.

Wie berichtet, hatte Air Berlin den Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister Wisag zu Beginn des Sommerflugplans am 26. März gekündigt. Mit der Abfertigung wurde Aeroground beauftragt, eine Tochter der Münchner Flughafengesellschaft. Ziel des Wechsels war eine Qualitätssteigerung – doch das Gegenteil trat ein. Personelle und maschinelle Engpässe bei dem Dienstleister führen dazu, dass Gepäck nur mit Verzögerung ver- oder entladen wird, Passagiere lange auf ihre Koffer warten müssen, Treppen und Busse erst verspätet bei Maschinen eintreffen und Flüge mit Verspätung starten. Auf dem an seiner Kapazitätsgrenze operierenden Flughafen Tegel ist das ein Desaster.

Flüge müssen wieder gestrichen werden

Air Berlin hatte wegen der Probleme bereits den Start der neuen Flugverbindungen von Berlin nach Los Angeles auf den heutigen Dienstag und nach San Francisco auf den 29. Mai verschoben. Auch am Montag waren in Tegel aber wieder viele Flüge um eine halbe Stunde und mehr verzögert. Eine Maschine nach Paris startete mit 96 Minuten Verspätung, nach Stockholm waren es sogar 140 Minuten. „Die Situation ist weiterhin unbefriedigend“, sagt Air Berlin-Sprecher Ralf Kunkel. Aeroground habe nach wie vor zu wenig Personal vor Ort. Dem Vernehmen nach sind die Schichten zum Teil nur zu 75 Prozent besetzt. Dennoch soll Aeroground begonnen haben, die rund 30 zur Verstärkung aus München nach Berlin beorderten Fachkräfte wieder abzuziehen. Sie werden jetzt durch unerfahrene, neu angelernte Mitarbeiter ersetzt, verlautet aus Flughafenkreisen.

"Leistung von Aeroground ist mangelhaft"

Dazu soll es Probleme an den Schnittstellen mit Auftragnehmern geben. So habe Aeroground, wie es heißt, einige Dienstleistungen wieder an den zuvor von Air Berlin geschassten Konkurrenten Wisag vergeben. Bei Air Berlin haben sich inzwischen 120 Mitarbeiter aus der Verwaltung freiwillig gemeldet, um die Servicemitarbeiter am Flughafen Tegel und im Callcenter bei der Betreuung der Fluggäste zu unterstützen.

Die Abfertigung der Air Berlin-Flüge laufe „weitgehend stabil“, heißt es bei Aeroground. Die Gründe für Verspätungen seien „nicht automatisch“ dem Unternehmen zuzuordnen. „Die Leistung bei den Abfertigungsprozessen von Aeroground für unseren Kunden Air Berlin ist leider noch immer mangelhaft“, sagt dagegen Lars Wagner, Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). „Dieser Zustand dauert nun seit acht Wochen an.“ Das Unternehmen habe es nicht geschafft, signifikante Verbesserungen zu erzielen. „Unsere Aufforderungen, die Prozesse zu überarbeiten, haben nicht ausreichend gefruchtet. Wir haben Aeroground daraufhin abgemahnt“, sagte Wagner. Für die Flughafengesellschaft sei es „inakzeptabel“, dass mittlerweile auch andere Airlines durch Verspätungen in ihrem Betrieb beeinträchtigt werden, sagte Wagner dem Tagesspiegel.

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