Wirtschaft : Air Berlin verspricht Gewinn

Fluggesellschaft schreibt im ersten Quartal tiefrote Zahlen / Gutes Sommergeschäft erwartet

Bernd Hops

Berlin - Der Luftfahrtkonzern Air Berlin hat im ersten Quartal des Jahres einen deutlichen Verlust verbucht. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte, lag das Ergebnis unterm Strich bei minus 31 Millionen Euro. Damit ist es nur rund acht Millionen besser als im Vorjahreszeitraum, vor allem dank Steuereffekten. Der Umsatz kletterte ebenfalls im Vergleich nur um acht Millionen auf gut 224 Millionen Euro. Konzernchef Joachim Hunold sah darin aber keinen Grund zur Beunruhigung – im Gegenteil. „Wir sind positiv überrascht“, sagte er. Die eigene Ergebnisplanung sei um zehn Millionen Euro übertroffen worden. Für das Gesamtjahr erwarte er weiterhin ein „deutlich positives Nettoergebnis“. Hunold betonte außerdem, dass Air Berlin seinen Expansionskurs wie geplant fortsetzen werde.

Air Berlin ist erst seit dem 11. Mai auf dem Kurszettel notiert (siehe Kasten). Das Geld, das durch den Börsengang eingenommen wurde, soll vor allem in neue Maschinen und zusätzliche Strecken gesteckt werden. Eine Studie der Commerzbank, die die Air-Berlin-Aktie mit an die Börse gebracht hat, prognostizierte einen Konzerngewinn von 50 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft noch einen Verlust von 116 Millionen Euro eingeflogen.

Hunold und Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer verwiesen nun zum einen darauf, dass das erste Quartal bei Luftfahrtgesellschaften „traditionell schwach“ sei. Zum anderen habe der spätere Ostertermin das Ergebnis gedrückt. Der Urlaubsreiseverkehr schlage sich nun positiv im zweiten Quartal nieder. Zum Beweis führte Hunold die Passagierzahlen für die ersten vier Monate – also inklusive Ostern – an. Die kletterten um 12,8 Prozent. Gleichzeitig hätten sich die Erlöse je Fluggast verbessert, sagte Hunold. Zufrieden sei er auch mit den Zahlen für Juni. Eigentlich habe man damit gerechnet, dass das Geschäft bedingt durch die Fußball-Weltmeisterschaft ruhiger verlaufen würde. Aber die Auslastung nach den Vorbuchungen liege schon heute über der, die im vergangenen Jahr erreicht wurde.

Den entscheidenden Schub erwartet Finanzvorstand Hüttmeyer im dritten Quartal. „Wir haben einen starken Buchungstrend.“ Hunold sagte, nach der WM würden die Kapazitäten aufgestockt und zusätzliche Airbus-Maschinen in Dienst genommen. Auch das Streckennetz werde weiter ausgebaut. Durch die Expansion entstehen auch zusätzliche Arbeitsplätze. Im ersten Vierteljahr stieg die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum ersten Quartal 2005 um fast 300 auf nunmehr 2814.

Die durch den hohen Ölpreis gestiegenen Treibstoffkosten hat Air Berlin laut Hüttmeyer mit Sicherungsgeschäften gut abgefedert. Im Gesamtjahr soll der Kostenanteil „in etwa gleich bleiben“.

Die Börse reagierte zunächst mit leichten Abschlägen auf die Quartalszahlen, doch dann drehte der Aktienkurs ins Plus. Am Abend kostete das Papier 10,40 Euro – rund 3,5 Prozent mehr als am Vortag. Stefan Schöppner, Luftfahrtanalyst bei der Dresdner Bank, ist trotzdem skeptisch. Er sieht vor allem kurzfristige Anleger am Werk. „Wir haben die Aktie nicht reingekauft in die Depots“, sagte der Analyst. An dem grundsätzlichen Problem, dass das Geschäftsmodell von Air Berlin anfällig sei, habe sich auch nach den Quartalszahlen nichts geändert. „Wir warten noch ein paar Monate ab, bevor wir uns die Aktie wieder genauer anschauen“, sagte Schöppner.

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