Wirtschaft : Air Berlin verzehnfacht den Verlust

Fehlbetrag von knapp 100 Millionen Euro, Aktie dennoch im Aufwind / Gewinne wohl erst 2012 in Sicht

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Schlechter Ausgang. Flugausfälle aufgrund der Aschewolke und Mehrkosten wegen des kalten Winters haben Air Berlin 2010 die Bilanz verhagelt. Foto: ddp
Schlechter Ausgang. Flugausfälle aufgrund der Aschewolke und Mehrkosten wegen des kalten Winters haben Air Berlin 2010 die Bilanz...

Berlin - Der strenge Winter und die Flugausfälle wegen der Vulkanaschewolke haben Air Berlin im vergangenen Jahr einen hohen Verlust eingebracht. Trotz einer Umsatzsteigerung um knapp 15 Prozent auf 3,72 Milliarden Euro flog die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft unter dem Strich einen Verlust von 97,2 Millionen Euro ein. 2009 hatte das Minus nur 9,5 Millionen Euro betragen. Nachdem Air Berlin bereits Ende Januar eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte, kam die Verlustmeldung nicht überraschend. Die Aktie legte am Freitag zeitweise sogar um 3,6 Prozent auf 3,20 Euro zu und schloss nur leicht darunter bei 3,16 Euro.

In einer Pflichtmitteilung machte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach der Lufthansa den strengen Winter in Europa, die Luftraumsperrungen nach dem Vulkanausbruch auf Island, den Fluglotsenstreik in Spanien sowie angedrohte Arbeitskampfmaßnahmen im Unternehmen selbst für den Einbruch verantwortlich. Alles zusammen habe „deutliche Spuren“ im Geschäftsergebnis hinterlassen, hieß es.

Das operative Ergebnis ging von plus 28,5 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 9,3 Millionen Euro in 2010 zurück. Der Verlust vor Steuern stieg von 21,7 Millionen auf 141,6 Millionen Euro. Der Nettoverlust betrug nach einem Steuerertrag in Höhe von 44,4 Millionen Euro immer noch 97,2 Millionen Euro, nach 9,5 Millionen Euro im Jahr zuvor.

„Die Katze war aus dem Sack, dass es kein schönes Ergebnis werden würde“, kommentierte Johannes Braun von der Commerzbank die Zahlen. Tatsächlich sei das operative Ergebnis noch um zwei Millionen Euro schlechter ausgefallen als erwartet. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hatte mit einem Nettoverlust von rund 65 Millionen Euro gerechnet, der deutlich übertroffen wurde.

Die Analysten warten jetzt mit Interesse darauf, welche Prognose die Fluggesellschaft für das laufende Jahr geben wird. Detaillierte Informationen zum Jahresabschluss sowie den kompletten Geschäftsbericht wird Air Berlin aber erst bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag kommender Woche präsentieren. „Der Ausblick wird spannend“, sagte Braun von der Commerzbank. „Wichtig ist, was das Unternehmen zu 2011 sagt“, meinte auch Pieper vom Bankhaus Metzler. Bei einem Aktienkurs von rund 3,20 Euro sei die Fluggesellschaft inzwischen weniger als 300 Millionen Euro wert.

Nachdem Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bereits vor einigen Tagen in einem Interview gesagt hatte, dass man spätestens im Jahr 2012 wieder einen Gewinn erzielen wolle, erwartet der Analyst auch für das laufende Jahr einen Verlust. Er habe nicht den Eindruck, dass sich Air Berlin hinsichtlich der gestiegenen Ölpreise so gut abgesichert habe wie die Wettbewerber, sagte Pieper dem Tagesspiegel. Außerdem dürfte die bisher stark touristisch ausgelegte Fluggesellschaft stärker als die Lufthansa unter den Unruhen in Ägypten und Tunesien gelitten haben.

Nachdem Air Berlin im Januar noch einen Passagierzuwachs um 5,7 Prozent verbuchen konnte, stieg die Zahl der Fluggäste wegen der Streichung von Flügen nach Nordafrika im Februar nur noch um ein Prozent. Insgesamt beförderte die Fluggesellschaft in den ersten beiden Monaten des Jahres 4,27 Millionen Reisende (plus 3,3 Prozent). Die angebotene Kapazität reduzierte sich um 0,3 Prozent auf 5,95 Millionen Sitze. Die Auslastung der Maschinen stieg um 2,5 Punkte auf 71,9 Prozent.

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